Madrid (dpa) - Mit dem Tod von Luis García Berlanga hat Spanien einen seiner größten Regisseure verloren. Der am Samstag im Alter von 89 Jahren in Madrid gestorbene Altmeister galt als filmischer Chronist eines Landes, das unter dem Trauma des Bürgerkrieges (1936-1939) und der Franco-Diktatur (1939-1975) litt.

Mit ihm geht auch eine «goldene Ära» zu Ende, war er doch das dritte große «B» des spanischen Kinos, zusammen mit Luis Buñuel (1900-1983) und Juan Antonio Bardem (1922-2002), dem Onkel des Oscar-Preisträgers Javier Bardem.

Starregisseur Pedro Almodóvar brachte es am Sonntag so auf den Punkt: «Wir reden immer von Billy Wilder. Hätte García Berlanga aber auch in einer anderen Sprache gedreht, würde sich heute die ganze Welt vor seinem Sarg verneigen.» Seine Werke sind aber stark auf sein Land bezogen. Um die Zensur zu umgehen, sind sie zudem von einer ureigenen Sprache und Komik geprägt, die nur schwer zu übersetzen ist.

«García Berlanga ist kein Kommunist, sondern etwas viel Schlimmeres: ein schlechter Spanier!», schimpfte Franco. Auch der Diktator «von Gottes Gnaden» konnte es aber nicht verhindern, dass der Regisseur die Misere der damaligen Zeit porträtierte und oftmals mit bitterbösem schwarzen Humor aufs Korn nahm. So etwa in einem seiner Meisterwerke, «Willkommen Mr. Marshall» (1952), einer Satire auf ein Spanien, das vom Fortschritt und vom Geld des amerikanischen Marshall-Plans träumte.

Mit «El verdugo» (Der Henker) gelang ihm 1963 sogar ein Aufschrei gegen die Todesstrafe. Vor dieser hatte er Jahre zuvor auch seinen Vater, einen republikanischen Politiker, gerettet. Trotz seiner Abneigung gegen das Regime schloss er sich dafür 1941 der Blauen Division an und zog an der Seite der deutschen Wehrmacht in den Krieg gegen die Sowjetunion. Er habe nicht einen Schuss abgefeuert, sagte er bei seiner Rückkehr.

Er sei «ein Anarchist und unabhängiger Bourgeois», sagte der vielfach ausgezeichnete Regisseur aus Valencia von sich selbst. «Die Behauptung der Kritik, meine Filme seien bissig, kann ich aber nicht teilen», meinte er mit einem Schuss Ironie. García Berlanga hatte eigentlich Jura- und Philosophie studiert. «Doch als ich im Kino 'Panzerkreuzer Potemkin' sah, wollte ich ein Sergei Eisenstein werden.»

Für Almodóvar ist er mehr als das geworden: «Er war der Vater des spanischen Films.» Die letzten zehn Jahre lebte García Berlanga zurückgezogen. Der Tod einer seiner vier Söhne 2002 und die Alzheimer-Krankheit setzten ihm schwer zu.