Rangun (dpa) - Kämpferisch wie am ersten Tag ist die birmanische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi nach siebeneinhalb Jahren Hausarrest an die Öffentlichkeit getreten.

Die Oppositionspolitikerin feuerte mehr als 10 000 Anhänger vor der Parteizentrale ihrer «Nationalliga für Demokratie» NLD an, im Kampf für Demokratie nicht nachzulassen. Gleichzeitig kündigte sie ihren vollen Einsatz für die nationale Aussöhnung an. Dazu gehört nach Angaben der NLD auch das direkte Gespräch mit den Militärdiktatoren im Nachbarland Thailands.

«Wenn wir unsere Kraft richtig einsetzen, kann sie niemand brechen», rief Suu Kyi der jubelnden Menge nach einer Übersetzung des Exil-Magazins «Irrawaddy» zu. «Mut bedeutet, dass wir uns beharrlich für das einsetzen, woran wir glauben.» Sie forderte die Anhänger zur Kooperationsbereitschaft auf. «Einer alleine kann so etwas wichtiges wie Demokratie in diesem Land nicht verwirklichen», sagte sie. Zuvor hatte sie im Gespräch mit ihrer Partei die Freilassung der mehr als 2100 anderen politischen Gefangenen im Land als Priorität genannt, berichteten Parteistrategen später.

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bis US-Präsident Barack Obama begrüßten Politiker in aller Welt die Freilassung und setzten sich ebenfalls für die anderen politischen Gefangenen ein. «Ihre Gewaltlosigkeit und Unnachgiebigkeit haben sie zu einem bewunderten Vorbild werden lassen», erklärte Merkel. «Ihr kommt auch künftig eine zentrale Rolle zu auf dem notwendigen Weg zu nationaler Versöhnung und Demokratie», sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin.

«Sie ist eine Heldin für mich und eine Quelle der Inspiration für alle, die sich für grundlegende Menschenrechte in Birma und überall auf der Welt einsetzen», meinte Obama. Ohne eine freie Beteiligung aller Bürger am politischen Leben könne es keine Demokratie und nationale Versöhnung geben, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Das norwegische Nobelkomitee lud Suu Kyi nach Oslo ein, damit sie ihre «Nobelvorlesung» nachholen kann. Sie war bei der Verleihung 1991 schon unter Hausarrest eingesperrt.

Suu Kyi begann ihren politischen Kampf für Demokratie 1988 nach der gewaltsamen Niederschlagung eines Studentenaufstands in Rangun. Im Jahr darauf sperrte sie das Militärregime zum ersten Mal ein. Ihre Partei gewann kurz darauf die Wahlen haushoch, doch erkannte das Regime das Ergebnis nie an. Für ihren friedlichen Einsatz gegen das Militärregime erhielt sie 1991 den Friedensnobelpreis. Suu Kyi hat insgesamt 15 der vergangenen 21 Jahre in ihrem Haus in Rangun unter Hausarrest verbracht.

Stundenlang hatte eine wachsende Menschenmenge am Samstagabend in der Nähe ihres Hauses auf Zeichen einer bevorstehenden Freilassung gewartet. Als die Militärbehörden um kurz nach 17.00 Uhr den seit Jahren mit Stacheldraht verrammelten und bewachten Weg frei machten, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Tausende stürzten zu ihrem Haus. Auch am Sonntag kamen die begeisterten Massen wieder zusammen. «Wir lieben Suu!» stand auf Dutzenden Plakaten, und «Lang lebe Suu Kyi!» Gegenüber der Parteizentrale standen Soldaten und fotografierten die Teilnehmer der Kundgebung, aber sie schritten nicht ein.