London (dpa) - Als Prinz Charles einmal mit einem dicken Verband zu einer Museumseröffnung kam, erklärte er das so: «Wenn man sich schon seit so langer Zeit mit Bäumen unterhält, wie ich es tue, trifft man früher oder später zwangsläufig auf eine angriffslustige Eiche».

Der 62-Jährige trägt in seiner Freizeit gerne Gummistiefel und widmet sich auf seinem Landgut Highgrove im südwestenglischen Cornwall der Gartenarbeit. Dabei spricht er mit den Pflanzen und Bäumen und redet besänftigend auf sie ein.

So weit, so amüsant. Aber Prinz Charles meint es ernst. Am Montag (15. November) erscheint in Deutschland sein neues Buch mit dem schlichten Titel «Harmonie - Eine neue Sicht unserer Welt». Dahinter verbirgt sich massive Kritik am Umgang des Menschen mit der Natur. Das Buch sei ein «Aufruf zur Revolution», schon auf den ersten Seiten findet der Prinz deutliche Worte: «Die Erde ist in Gefahr», schreibt er. «Sie wird nicht fertig mit allem, was wir ihr abverlangen. Sie verliert ihre Balance und daran sind wir Menschen schuld».

Prinz Charles' Engagement für Umwelt- und Naturschutz ist bekannt. Seit mehr als 30 Jahren setzt er sich mit seinen Stiftungen für Naturschutz und Artenvielfalt ein. Schon seit langem warnt Charles vor den Folgen des Kohlendioxid-Ausstoßes und hat unter anderem ein Projekt zur Rettung des Regenwaldes gegründet. Der englische Thronfolger kämpft außerdem gegen genetisch veränderte Lebensmittel und den Einsatz von Insektengiften.

Die ökologische Landwirtschaft predigt er nicht nur, er praktiziert sie auch. Auf seinem Landsitz baut er unter anderem Obst und Gemüse an. Seine Bioprodukte gibt es unter dem Namen «Duchy Originals» - darunter auch Kekse und Würstchen - im Supermarkt zu kaufen.

In seinem neuen Buch nun fasst er seine Erkenntnisse zusammen. «Wir Menschen» hätten mit zunehmendem technischen Fortschritt und Wohlstand das Wesentliche aus den Augen verloren und vergessen, was die Welt eigentlich ausmacht: Das Leben im Einklang mit der Natur. Ihr nur soviel zu nehmen, wie man auch zurückgeben kann. Dieses «dynamische Gleichgewicht» sei nichts anderes als Harmonie, und wie die funktioniert, will Prinz Charles erklären.

Seine Vorschläge sind vielfältig und berühren die unterschiedlichsten Wissenschaften. Charles greift Konzepte aus Architektur, Industrialisierung, Philosophie und Biologie auf - und versucht, sie in einen historisch-soziologischen Zusammenhang zu bringen. Damit will er aufzeigen, dass die Menschheit einen «fatalen Irrweg» eingeschlagen hat. Und das betreffe nicht nur die Umwelt, denn nicht nur die Natur gerate aus dem Gleichgewicht, sondern auch die Menschen. Fettleibigkeit auf der einen, Hungerkatastrophen auf der anderen Seite, stellten ein «großes Problem für das öffentliche Gesundheitswesen dar», um nur ein Beispiel zu nennen.