Berlin (dpa) - Der Handel über das Internet hat in Deutschland Konjunktur. Der unter den Online-Händlern verbreitete Optimismus werde vom wirtschaftlichen Aufschwung derzeit spürbar angeheizt, teilte Ebay am Montag zur Vorstellung seines neuen Online-Barometers mit.

Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zuversicht der Händler für das laufende Geschäft um 10 Prozent gewachsen. Insgesamt erwarten die Händler beim E-Commerce in Deutschland in diesem Jahr Umsatzerlöse in Höhe von 23,7 Milliarden Euro.

Allein das Weihnachtsgeschäft wird nach Schätzung der Händler 22 Prozent der gesamten Umsatzerlöse ausmachen, sagte Stephan Zoll, Geschäftsführer von Ebay Deutschland in Berlin. Nach jüngsten Zahlen des Branchenverbands Bitkom will jeder dritte Bundesbürger seine Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr online einkaufen. Der Anteil des Online-Handels am gesamten Einzelhandel (rund 400 Milliarden Euro) beträgt nach Zahlen des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels HDE in diesem Jahr bereits 5,9 Prozent.

60 Prozent der befragten Händler haben die gesetzten Umsatzziele im abgeschlossenen Quartal erreicht. Und mehr als jeder zweite (52 Prozent) rechnet damit, dass die Umsatzerlöse in diesem Jahr steigen werden. Für das Weihnachtsgeschäft erwartet knapp die Hälfte der Händler (45 Prozent) höhere Umsätze als im vergangenen Jahr.

Gleich mehrere Faktoren sprächen dafür, dass sich das Wachstum des Online-Handels ohnehin nicht mehr stoppen ließe, sagte Gerrit Heinemann, Professor und eWeb-Experte an der Hochschule Niederrhein. «Der stationäre Handel fängt jetzt erst wirklich an, online zu verkaufen», sagte Heinemann.

Die überwiegende Mehrheit der Online-Händler sieht in Deutschland allerdings noch in mehreren Bereichen Handlungsbedarf und sieht den Gesetzgeber gefordert. So meinen 89 Prozent der Befragten, dass die Rahmenbedingungen für Abmahnungen verändert werden müssten. Der Online-Händler müsse eine Vielzahl von Pflichten und Richtlinien befolgen, wobei schnell einmal etwas übersehen werden könne, sagte Guido Brinkel vom Bitkom. Der «Abmahnmissbrauch» sei online besonders einfach, da sich über Textsuche ganz einfach Zuwiderhandlungen herausfiltern lassen. «Für den Händler ist es dagegen schwer, einer Anwaltskanzlei einen Missbrauch nachzuweisen.»

85 Prozent der für die Studie Befragten sehen derzeit auch die gesetzlichen Vorschriften zum Wertersatz im Widerspruchsfall problematisch. Mehr als die Hälfte der Händler (57 Prozent) beklagten die hohen Kosten für das Retourenmanagement bei geplatzten Verkäufen. Es sei zwar nur eine kleine Gruppe von Verbrauchern, diese nutzten aber kostenlose Retourenangebote der Online-Händler aus und schickten sogar intensiv genutzte Ware wieder zurück, erklärte Online-Händler Andreas Müller von Deltatecc.