Karlsruhe (dpa) - Die CDU hat sich nur hauchdünn gegen Gentests bei Embryonen ausgesprochen und damit eine weitere traditionelle Säule ihrer Politik ins Wanken gebracht.

Die CDU-Spitze und die Delegierten zeigten sich am Dienstag beim Parteitag in Karlsruhe tief gespalten - nur 51,06 Prozent folgten der Linie von Parteichefin Angela Merkel für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID), das auch im Grundsatzprogramm steht. In der Union hatte bislang der nahezu bedingungslose Schutz des ungeborenen Lebens oberste Priorität.

Die Befürworter der Tests setzen jetzt auf ein Ja des Bundestags. Dort sind die CDU-Abgeordneten nicht an das Parteitagsvotum gebunden. Erst am Montagabend hatten die Delegierten in einer historischen Entscheidung für das Aussetzen der Wehrpflicht gestimmt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach nach der PID-Debatte von einer «Sternstunde». Vor den Landtagswahlen im kommenden Jahr - darunter Ende März in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz - wertete die am Vortag mit 90,4 Prozent im Amt bestätigte Vorsitzende den Parteitag als wichtiges Signal der Geschlossenheit. «Wir arbeiten gemeinsam - und zwar gemeinsam für ein starkes Deutschland.»

Nach den wiederholten Querschüssen von CSU-Chef Horst Seehofer gegen die Arbeit der schwarz-gelben Koalition in Berlin überschüttete der bayerische Ministerpräsident die Kanzlerin bei einem Gastauftritt mit Lob für ihre Arbeit in Deutschland und auf internationaler Ebene. «Wir haben die Krise besser überwunden als alle anderen, und deshalb ist dies unser Aufschwung, es ist der Aufschwung von Angela Merkel.»

Generalsekretär Hermann Gröhe nannte die PID unvereinbar mit der «Heiligkeit des Lebens». Ob die Tests durch das Parlament untersagt werden, ist unsicher, da auch der Unions-Koalitionspartner FDP die Untersuchungen in engen Grenzen zulassen will. Der Parlamentarische Wirtschaftsstaatssekretär und frühere Pfarrer Peter Hintze zeigte sich genau wie Vertreter von FDP und SPD zuversichtlich, dass der Bundestag ein PID-Verbot verhindern werde.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus sagte der dpa: «Das war einer der besten Parteitage, den ich je erlebt habe.» Die PID-Debatte habe das ganze Spektrum der CDU gezeigt. «Aber wir haben uns nicht um eine Entscheidung herumgemogelt.»