München (dpa) - Infineon hat im vergangenen Geschäftsjahr erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn eingefahren. Der Halbleiterkonzern profitierte zuletzt kräftig von der weltweit steigenden Nachfrage und rechnet weiter mit Wachstum.

Die Aktie legte angesichts der Zahlen bis zum Dienstagnachmittag um mehr als 5 Prozent zu und setzte sich damit an die Spitze des Aktienindex Dax. Dabei stand der Konzern noch vor zwei Jahren am Rande des Ruins.

Für Vorstandschef Peter Bauer sind die Zahlen des Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahres auch ein Beleg für den erfolgreichen Umbau des Unternehmens. «Sicher hat uns die gute Marktentwicklung dabei geholfen, unsere Ziele schneller zu erreichen. Dennoch: Infineon hat sich massiv gewandelt», betonte Bauer am Dienstag bei der Vorstellung der vorläufigen Bilanz in Neubiberg bei München.

Zuletzt hatte sich Infineon von seinem Handychipgeschäft getrennt und die Sparte für rund 1,1 Milliarden Euro an den US-Branchenriesen Intel verkauft. Wirksam wird der Verkauf Anfang kommenden Jahres. Auch ohne den verkauften Ertragsbringer will der Konzern im jüngst angelaufenen Geschäftsjahr wachsen, wenn auch die Sprünge weitaus kleiner ausfallen dürften als im abgelaufenen Jahr. Das bescherte dem Unternehmen die beste Bilanz der vergangenen zehn Jahre.

Infineon wird sich nun auf die verbliebenen Sparten Automotive, Industrie und Sicherheitschips konzentrieren. «In diesen drei Bereichen erwarten wir künftig überdurchschnittliches Wachstum und nachhaltige Profitabilität.» Das Unternehmen orientiere sich damit an den Märkten, die in den nächsten Jahren wachsen würden. Ein wichtiger Bestandteil seien auch Zukäufe, sagte Bauer, ohne auf Details einzugehen. In fünf Jahren peile er für den Konzern allerdings bereits ohne Übernahmen einen Umsatz von rund 5 Milliarden Euro an.

Mobilität, Energieeffizienz und Sicherheit seien die globalen Megatrends: «Hier sehen wir in den nächsten Jahren enorme Wachstumspotenziale, denn ohne innovative Halbleiterlösungen sind die Herausforderungen auf diesen Feldern nicht zu meistern», sagte Bauer. Das werde Infineon auch im laufenden Jahr spüren: «Für das Geschäftsjahr 2011 erwarten wir ein Umsatzwachstum von nahezu 10 Prozent.» Vor allem die derzeit brummenden Geschäfte mit der Autoindustrie dürften in den nächsten Monaten weiter zulegen.

Die verkaufte Handychipsparte eingerechnet verdiente Infineon unter dem Strich rund 660 Millionen Euro, nachdem im Geschäftsjahr 2008/2009 noch ein Verlust von 674 Millionen Euro in den Büchern stand. Der Umsatz wuchs den vorläufigen Zahlen zufolge um mehr als 50 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. Ohne das Mobilfunkgeschäft erlösten die Münchner im abgelaufenen Jahr rund 3,295 Milliarden Euro. Angesichts der guten Geschäftslage plant Infineon zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder, einen Dividende auszuschütten.