Bangkok/Moskau/Washington (dpa) - Der mutmaßliche Waffenhändler Viktor Bout (43) ist nach jahrelangem juristischen Tauziehen von Thailand an die USA ausgeliefert wurden. Der als «Händler des Todes» berüchtigte Russe soll sich vor einem US-Gericht verantworten.

Sechs US-Beamte nahmen Bout am Dienstag am Militärflughafen Don Muang im Empfang und verließen das Land mit ihm in einem gecharterten Kleinflugzeug. Das bestätigte der zuständige Polizeichef.

Bout soll Diktatoren und Rebellen rund um den Erdball mit Waffen versorgt haben. Er war 2008 in Bangkok nach einer verdeckten Aktion amerikanischer Agenten festgenommen worden.

Wo das Flugzeug mit Bout an Bord hinflog, wollte auch die US- Botschaft in Bangkok nicht sagen. Bout hat stets alle Vorwürfe abgestritten. Der ehemalige Offizier der Sowjetarmee war Vorbild für die Hauptrolle im Kinofilm «Lord of War» (Händler des Todes) mit Nicolas Cage.

Moskau kritisierte die Auslieferung scharf. Die Entscheidung der Behörden sei auf «beispiellosen politischen Druck» der US-Regierung zustande gekommen und gesetzwidrig, sagte Außenminister Sergej Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax. «Alles wurde hastig und heimlich abgewickelt, wie Diebe das machen», sagte seine Frau Alla.

Die US-Regierung wies die Kritik zurück. Der Vorgang sei vollkommen vereinbar mit internationalem Recht und mit bilateralen Abkommen zwischen den USA und Thailand, sagte der Sprecher des Außenministeriums Philip Crowley in Washington. Er zeigte sich davon überzeugt, dass die Angelegenheit die Beziehung zu Russland nicht beeinträchtigen werde: «Wir verstehen, dass wir uns bei einer Zahl von Themen darüber einig sind, uneins zu sein.»

US-Agenten hatten Bout vor zweieinhalb Jahren in Bangkok eine Falle gelockt. Sie gaben sich als Zwischenhändler für die kolumbianischen Farc-Rebellen aus, die Boden-Luft-Raketen und Gewehre kaufen wollten. Nachdem der Russe sich in den vermeintlichen Verhandlungen selbst belastet hatte, schnappten die Handschellen zu. Weil es in dem Gespräch um den Abschuss von US-Flugzeugen ging, ist er wegen Unterstützung einer Terrororganisation und Verschwörung zur Ermordung amerikanischer Staatsbürger angeklagt.