Bonn (dpa) - Die Telekom bemüht sich um Wiedergutmachung für die Spitzelaffäre. Das Unternehmen spendet rund 1,7 Millionen Euro wegen der Ausschnüffelei von Aufsichtsräten, Journalisten und Betriebsräten in den Jahren 2005 und 2006 an gemeinnützige Organisationen.

Damit solle das schwer gestörte Vertrauensverhältnis zu Arbeitnehmervertretern und den Medien wiederhergestellt und verbessert werden, sagte der Datenschutzvorstand des Unternehmens, Manfred Balz, am Dienstag. Er sprach dabei von einer «Geste der Verständigung».

Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften begrüßten den Schritt. Es sei auch wichtig gewesen, dass sich das Unternehmen mit einer Ehrenerklärung und Entschuldigung persönlich an die Opfer gewandt habe, betonte der Verdi-Bundesvorstand und stellvertretende Telekom- Aufsichtsratschef Lothar Schröder. Dies sei ein bewusster Akt der Wiedergutmachung und helfe dabei, mit dem Unternehmen ins Reine zu kommen.

Unzufrieden zeigte sich der Gewerkschafter allerdings weiterhin mit der Aufklärung der Affäre. Vor dem Bonner Landgericht wird derzeit noch gegen einen Beschuldigten verhandelt. Mit einem Abschluss des Verfahrens wird in wenigen Wochen gerechnet.

Die Telekom hatte in den Jahren 2005 und 2006 die Verbindungsdaten von 50 bis 60 Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat und Journalisten abgeglichen, um undichte Stellen ausfindig zu machen, durch die vertrauliche Informationen aus dem Kontrollgremium in die Presse gelangten. Dabei wurde gegen Datenschutzgesetze verstoßen. Die Telekom selber hatte Anfang 2008 nach Medienberichten Anzeige gegen unbekannt gestellt und den Fall ins Rollen gebracht.

Als eine der entscheidenden Fragen in der Affäre galt, ob der damalige Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel die Bespitzelung angeordnet hatten oder ob sie zumindest in die illegalen Aktionen der Konzernsicherheit eingeweiht waren. Beide haben dies stets bestritten. Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem Ende der Ermittlungen von einer Anklage gegen Ricke und Zumwinkel abgesehen.

«Für uns ist die Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten noch nicht beendet», sagte dagegen Schröder in der Telekonferenz. Die Betroffenen hätten sich mehr Aufklärung erwünscht. «Es wäre noch Platz frei auf der Anklagebank», sagte er.