Berlin (dpa) - Die «alte Dame» entdeckt den Jugendstil: Hertha-Trainer Markus Babbel gibt jungen Profis die Chance, sich zu beweisen. Und die danken es ihm - so wie Pierre-Michel Lasogga mit zwei Toren zum 2:0-Sieg gegen Bochum, mit dem die Berliner Platz eins zurückeroberten.

Mit «Aufstiegskurs-T-Shirts» standen die Hertha-Profis vor der Fankurve und ließen sich nach der Rückkehr an die Spitze der 2. Fußball-Bundesliga feiern. «Hey, was für ein Lauf, die Hertha steigt wieder auf!», prangte als Schriftzug auf den blauen Kleidungsstücken. Ein Puzzleteil des Hertha-Erfolgs mit nunmehr neun Siegen aus zwölf Spielen ist der Jugendstil, den Trainer Markus Babbel predigt und praktiziert.

Beim 2:0-Erfolg gegen den VfL Bochum gab der Fußball-Lehrer dem 18-jährigen Pierre-Michel Lasogga im Sturm die Chance, sich in der Startelf zu beweisen. Und der dankte es mit einem ganz starken Auftritt und zwei Toren. «Ich habe keine Angst, die jungen Spieler zu bringen. Wenn sie gefordert sind, zeigen sie im Training und im Spiel ihre Leistung», sagte Babbel: «Ich kann mich zu 100 Prozent auf sie verlassen.»

Lasogga spielte anstelle von Rob Friend, dem Babbel eine Pause gönnte. «Rob hat nicht mehr die Lockerheit, er setzt sich mental zu sehr unter Druck», erklärte Babbel seine Personalentscheidung: «Und da freut es mich, dass ich so einen Stürmer wie Lasogga auf der Bank habe.» Der bedankte sich ganz artig bei seinem Coach: «Der Trainer hat mir das Vertrauen gegeben, und ich habe es mit zwei Treffern zurückgegeben.»

Babbel forderte von seinem Team, dass es auch in den kommenden Spielen «die nötige Laufbereitschaft und Zweikampfstärke» an den Tag legen muss. «Wenn wir das machen, wird sich wie gegen Bochum unsere Qualität durchsetzen», meinte der einstige Europameister, der mit Hertha auf dem besten Weg zurück in Liga eins scheint.

Die Bundesliga hat auch der VfL Bochum mit Ex-Hertha-Trainer Friedhelm Funkel trotz der sechsten Saisonniederlage noch nicht abgeschrieben. «Wir haben jetzt zwei Heimspiele vor der Brust. Wir schauen mal, wie groß danach der Abstand auf die Spitzenplätze ist», sagte Funkel, der bei seiner Rückkehr ins Olympiastadion gnadenlos ausgepfiffen wurde: «Das macht mir nichts. Von den Hertha- Verantwortlichen bin ich sehr freundlich empfangen worden. Für mich war es ein schönes Gefühl», sagte er. Mit Funkel war Hertha in der vergangenen Saison abgestiegen und hatte unter seiner Regie kein Heimspiel gewonnen.