München (dpa) - Peter Bauer strotzt vor Selbstbewusstsein. «Ohne Infineon läuft nichts», sagt der Chef des Halbleiterkonzerns in Neubiberg bei München. Wenige Minuten zuvor hat er Zahlen vorgelegt, von denen das 1999 von Siemens abgespaltene Unternehmen in den letzten zehn Jahren nur träumen konnte.

Nach herben Verlusten, der Pleite der ehemaligen Speicherchiptochter Qimonda und etlichen schlagzeilenträchtigen Personalquerelen ist der Konzern nach Worten von Bauer dort, wo er sein sollte: auf einem soliden Fundament für kommendes Wachstum und nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

«Sicher hat uns die gute Marktentwicklung dabei geholfen, unsere Ziele schneller zu erreichen. Dennoch: Infineon hat sich massiv gewandelt», erklärt Bauer. Erst im August hatte er mit einem Milliarden-Deal sein Unternehmen ein gutes Stück kleiner gemacht. Für umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro verkaufte Infineon sein Geschäft mit Handychips an den US-Riesen Intel. Die Sparte Wireless Solutions (WLS) war einst eines der vielen Sorgenkinder der Münchner und hat sich dank des Smartphone-Booms zu einem Ertragsbringer gemausert. Dennoch sei der Verkauf die einzig richtige Entscheidung gewesen.

Zum Ergebnis des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs trägt WLS noch ein mächtiges Stück bei: 1,372 Milliarden Euro Umsatz und immerhin 159 Millionen Euro an operativen Gewinnen. Insgesamt erlöste der Konzern rund 4,5 Milliarden Euro. Trotzdem: «Um im Mobilfunkmarkt auf lange Sicht erfolgreich vorne mitzuspielen, war Infineon trotz steilem Wachstum immer noch nicht groß genug.» Und wer nicht groß genug sei, müsse sich auf seine Stärken besinnen. Und die liegen im Auto-, Industrie-, und Sicherheitsgeschäft, wie Bauer sagt.

Dort sei der Konzern weltweit Marktführer und: «In diesen Bereichen erwarten wir künftig überdurchschnittliches Wachstum und nachhaltige Profitabilität.» Denn die Themen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit seien die globalen Megathemen. «Der Energiehunger einer immer stärker wachsenden Weltbevölkerung lässt sich nur durch energiesparende Innovationen befriedigen, und diese sind nur mit hochinnovativen Halbleiterlösungen realisierbar.»

Vor allem die leidgeprüften Aktionäre dürften diese Ankündigungen mit Wohlwollen aufnehmen. Ebenso wie die Nachricht, dass Infineon für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende ausschütten wird; das zweite Mal in der bewegten Konzerngeschichte überhaupt. 10 Cent pro Aktie will Bauer der Hauptversammlung vorschlagen. Noch wichtiger aber: In den kommenden Jahren sollen die Anteilseigner weiter mit Gewinnausschüttungen rechnen können. Angesichts der schwankenden und konjunkturabhängigen Halbleitermärkte ein Versprechen, an dem sich der Konzern wird messen lassen müssen. Die Infineon-Aktie reagierte mit einem kräftigen Kurssprung: Das Papier gewann bis gegen 13.00 Uhr rund 4,5 Prozent.

Bauer ist zuversichtlich, dass er seine Ziele erreichen kann. Seit 2008 steht er an der Spitze, an Bord ist er seit der Ausgliederung aus dem Siemens-Konzern 1999. Seither hat sich Infineon mehrfach verkleinert und verändert, nicht selten unter Schmerzen. Die spektakuläre Quimonda-Pleite im Januar 2009 kostete 12 000 Menschen den Job und riss die gebeutelte Mutter beinahe mit in den Abgrund.