Aachen (dpa) - Ein 44-jähriger Mann soll mit manipulierten Webcams Kinderzimmer ausspioniert und sich mehr als drei Millionen Bilddateien verschafft haben. Die Aachener Staatsanwaltschaft hat nun den Mann aus dem rheinischen Aldenhoven wegen Ausspähens von Daten in fast 100 Fällen angeklagt, wie sie am Dienstag mitteilte.

Die Aufnahmen zeigen überwiegend Kinder und Jugendliche, die sich an- und ausziehen oder auf ihrem Bett liegen, sagte Behördensprecher Jost Schützeberg. Das Motiv sei noch unklar. «Ob es einen sexuellen Hintergrund hat, wissen wir nicht, denn der Angeschuldigte lässt sich bisher zu den Vorwürfen nicht ein», erklärte Schützeberg.

Der 44-Jährige soll zwischen Herbst 2009 und April 2010 mit Hilfe eines Virusprogramms fremde Webcams aktiviert und die damit gemachten Bilder auf seinem eigenen Computer gespeichert haben. Der Mann hat laut Anklage zunächst Passwörter entschlüsselt, um sich damit die Anmeldedaten von Nutzern des Internetdienstes ICQ zu erschleichen.

Er verschickte dann unter falscher Identität Mitteilungen an die ahnungslosen Empfänger, die glaubten, sich mit einem befreundeten Mitglied auszutauschen. Der Täter forderte die Kinder und Jugendlichen auf, beigefügte Anhänge zu öffnen, die angeblich Fotos enthielten. Tatsächlich öffneten die Empfänger aber eine Trojanersoftware, die sich auf ihrem Computer selbst installierte. Bei eingeschaltetem PC konnte der Verdächtige damit Webcams in den Kinderzimmern ein- und ausschalten, ohne dass die ausgespähten Jugendlichen es bemerkten.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es bald zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Düren kommen wird.

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