San Francisco/Berlin (dpa) - Google will mit dem Handy den Bankkarten Konkurrenz machen. Die nächste Version des Smartphone- Betriebssystems Android werde die drahtlose Technologie NFC unterstützen, über die auch Bezahlvorgänge vorgenommen werden können.

Das sagte Konzern-Chef Eric Schmidt bei einer Konferenz in San Francisco. Google wolle aber nur die Technologie zur Verfügung stellen und nicht in das Geschäft der Zahlungsdienstleister eingreifen, betonte Schmidt laut US-Medienberichten. Weniger zurückhaltend sind da die drei großen amerikanischen Mobilfunkanbieter AT&T, Verizon Wireless und T-Mobile USA. Sie verkündeten am Dienstag die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Isis, das das Bezahlen per Handy vorantreiben soll.

Google will die Technik bereits in die nächste Android-Version «Gingerbread» (Lebkuchen) «einbacken», die in den kommenden Wochen erwartet wird. Schmidt demonstrierte sie am Montag auf der Bühne an einem noch geheimen neuen Mobiltelefon.

Bei NFC (Near Field Communication) nimmt ein Chip im Gerät aus wenigen Millimetern bis Zentimetern Entfernung Kontakt zu einem Empfangsgerät auf. Die Technologie ist bereits seit Jahren auf dem Markt. Sie kam bisher nur zögerlich zum Einsatz, gewinnt inzwischen aber an Verbreitung, zum Beispiel mit dem neuen deutschen Personalausweis.

Zahlungen mit dem Handy hatten sich bisher vor allem in Entwicklungsländern mit ihren schwächer entwickelten Bankensystemen durchgesetzt. Diverse Unternehmen arbeiten daran, das Bezahlen per Handy auch in der westlichen Welt zu etablieren. Über Isis erreichen die drei großen US-Mobilfunker zusammen 200 Millionen Kunden.

Google-Chef Schmidt rechnet allerdings nicht mit einer schnellen Bezahl-Revolution: «Ich erwarte, dass ich meine Kreditkarten noch eine Weile mit mir herumtragen werde», sagte er laut «Los Angeles Times».

Branchenbeobachter gehen allerdings davon aus, dass Google dem Wandel einen kräftigen Schub geben könnte. Marktforscher sehen in Android einen Anwärter auf die Spitzenposition im Mobilfunk-Markt, die derzeit noch der finnische Nokia-Konzern hält.