Salzburg (dpa) - Tag zwei nach dem Titelgewinn. Die ersten Feierstrapazen machen sich bei Sebastian Vettel bemerkbar. Doch er genießt das Party-Hopping in mehreren Ländern. Auf die baldige Rückkehr ins Rennauto freut er sich auch schon. Die deutschen Fans brauchen indes einen langen Atem.

Über seine tränenreichen Dankesworte konnte er verlegen schmunzeln, ernsthaft begriffen hat Sebastian Vettel seinen sensationellen Triumph auch zwei Tage danach noch nicht. «Ich hatte noch nicht viel Zeit nachzudenken, was passiert ist», sagte der frischgebackene Formel-1-Weltmeister auf dem Flughafen Salzburg. «Es ist Vettel-Mania hier. Und er hat es verdient. Es ist eine unglaubliche Geschichte», meinte sein geschlagener Team-Kollege Mark Webber - und der Respekt vor Vettels Leistung war spürbar.

Sichtlich geschafft und mit müden Augen vom Feier-Grand-Prix mit mehreren Runden musste sein deutscher Rennstall-Rivale bei Red Bull einem Blitzbesuch in seiner Heppenheimer Heimat vorerst eine Absage erteilen. Schweren Herzens. Selfmade-Mann Vettel kann sich zwar vieles leisten, aber die Zeit ist einfach zu knapp geworden. «Es ist ziemlich viel zu tun», erklärte er - und draußen wartete schon die Maschine gen Milton Keynes, wo ihn die Mitarbeiter der Formel-1-Schmiede von Red Bull sehnsüchtig erwarteten.

Die Raserei geht also weiter. «In den vergangenen Stunden haben die Räder nicht aufgehört, sich zu drehen», meinte der mit 23 Jahren und 134 Tagen jüngste Champion der Königsklasse. Und Vettel selbst gibt auch weiter Gas: «Wir haben etwas Unglaubliches erlebt, man kann es genießen», betonte er, nachdem er der großen Medienschar im Hangar-7 wohlerzogen und mit breitem Grinsen zur Begrüßung erstmal «Morgen» gesagt hatte.

So ist er, der neue bodenständige Überflieger, der auch über sich selbst schmunzeln kann. Als man ihm am Abend beim hauseigenen Red-Bull-Sender Servus TV vorspielte, wie er sich mit ziemlich piepsiger Stimme und überwältigt von seinen Gefühlen beim Team bedankt hatte, meinte er: «Das hätte nicht sein müssen.» Er habe sich angehört «wie ein kleines Mädchen». Gott sei Dank habe er einen Helm aufgehabt. Dass in praktisch allen Zeitungen am nächsten Morgen sein Gesicht abgedruckt gewesen war, habe ihn aber schon stolz gemacht, gab er zu.

Vettel schafft es, trotz aller Entschlossenheit und Freude über den Titel («Du vergisst es nie, aber wenn die nächste Herausforderung bevorsteht, legst Du es zur Seite»), seine Lockerheit zu bewahren. Verändern will er sich nicht, Weltmeister hin oder her. Vettel bleibt erstmal auch der Selfmade-Mann. «Ich bin nicht auf mich allein gestellt. Das Team, die Familie, Freunde. Du sprichst mit denen, mit denen du reden willst. Niemand will jemandem, der für einen die Entscheidungen trifft», stellte der Hesse klar.

Der Wohlfühl-Faktor spielt in Vettels Erfolgsrechnung eine immense Rolle. Immer wieder scherzt er mit Teamchef Christian Horner, der am Dienstag seinen 37. Geburtstag feierte, oder auch dem etwas kauzigen Design-Genie Adrian Newey. Und selbst die oftmals offensichtlichen Missstimmungen mit Webber sind aus der praktisch vollständig heilen Vettel-Welt geschafft. Der Australier war nach dem Titelgewinn zu Vettel gekommen, beide redeten über das, was hinter ihnen lag in der ebenso verrückten wie spannenden Saison. Vettel: «Ich denke, die Aussprache und die Zeit nach dem Rennen war gut für beide von uns.»