Paris/Toulouse (dpa) - Dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS droht wegen der Verzögerungen beim Bau des Super-Airbus A380 erneut juristischer Ärger. Internationale Anlagefonds wollen mehr als 800 Millionen Euro Schadenersatz einklagen.

Das berichtete die «Financial Times Deutschland» am Dienstag unter Berufung auf Juristen.. Dazu seien mehr als 100 institutionelle Anleger einer niederländischen Stiftung beigetreten. Hintergrund der Sammelklage sind angebliche Managementfehler und mutmaßliche Verstöße gegen Kapitalmarktregeln. EADS wurde schon mehrfach vorgeworfen, den Markt über die A380-Schwierigkeiten getäuscht zu haben.

Ein Unternehmenssprecher nannte die Klage und die Ansprüche am Dienstag unbegründet. Erst Anfang November habe ein niederländisches Gericht einen Antrag der potenziellen Kläger zurückgewiesen. Mit diesem hätten sie eine Untersuchung wegen angeblichen Missmanagements in Zusammenhang mit den A380-Auslieferungsverzögerungen im Jahr 2006 erreichen wollen.

Auch die französische Börsenaufsicht AMF habe bereits entschieden, dass EADS in keiner Hinsicht ein Fehlverhalten vorgeworfen werden könne. «Wir gehen davon aus, dass das holländische Zivilgericht - falls eine Klageerhebung erfolgen sollte - zu dem selben Ergebnis kommen wird», sagte der EADS-Sprecher.

Nach Informationen der «FTD» wollen die Kläger zunächst feststellen lassen, dass EADS gegenüber seinen Aktionären schuldhaft handelte und zwischen 2006 und 2009 Kapitalmarktregeln verletzte. Ein Erfolg der Stiftungssammelklage sei dann die Grundlage, «um in einem zweiten Schritt EADS auf über 800 Millionen Euro Schadensersatz zu verklagen», zitierte das Blatt Alexander Reus von der US-Kanzlei Diaz, Reus & Targ. Über die Namen der klagenden Fonds gab es zunächst keine Angaben.

An der vorherigen Klage in den Niederlanden hatten sich unter anderem die Fondsgesellschaft der deutschen Sparkassen, Deka Investment, und die Anlagegesellschaft der irischen Lebensversicherung, Irish Investment Managers, beteiligt. Die US-Kanzlei sprach laut «FTD» im neuen Fall von international führenden Adressen, die über 60 Millionen Aktien oder 20 Prozent des freien EADS-Kapitals repräsentierten. Auch in den USA und in Deutschland haben Anleger schon geklagt. Viele Menschen hatten in dem Hype um das Riesenflugzeug A380 EADS-Aktien gekauft und bei dem Kurssturz Geld verloren.

Dass der juristische Ärger Fluggesellschaften vom Kauf einer Airbus-Maschine abhalten könnte, erwartet EADS offensichtlich nicht. In den kommenden fünf Jahren wird bei Airbus im Schnitt mit einem Umsatzplus von mehr als fünf Prozent gerechnet. Voraussetzung sei, dass die Wechselkurse und das günstige wirtschaftlichen Umfeld stabil blieben, kündigte Finanzchef Hans Peter Ring am Dienstag laut einer Präsentation beim Investorentag in Toulouse an. Zu der Steigerung soll auch die Produktionsausweitung beim Airbus A380 und der A320-Familie beitragen. Im Jahr 2009 hatte Airbus Erlöse von 28,1 Milliarden Euro verbucht.