Berlin (dpa) - Sinkende Arbeitslosenzahlen, ein brummender Konjunkturmotor und mehr Geld in den Taschen der Konsumenten: Für den deutschen Einzelhandel könnte es derzeit wirklich schlechter laufen.

Schon in den Krisenjahren 2008 und 2009 blieb die Branche von den großen Einbrüchen verschont, wie sie in anderen Wirtschaftszweigen wie beispielsweise der Autoindustrie zu beobachten waren. Um verhältnismäßig geringe zwei Prozent gingen die Umsätze der deutschen Händler 2009 zurück. Im laufenden Jahr erwartet die Branche nun wieder ein Wachstum.

Und dieses könnte bei einem gut laufenden Weihnachtsgeschäft auch größer ausfallen als zuletzt angenommen: Um 1,5 Prozent soll der Umsatz im deutschen Einzelhandel in diesem Jahr zulegen, hatte der Handelsverband Deutschland (HDE) in seiner jüngsten Prognose vorgegeben. «Das kann aber auch ganz leicht mehr werden», sagte der HDE-Präsident Josef Sanktjohanser am Dienstag beim Deutschen Handelskongress in Berlin. Für November und Dezember erwartet die Branche derzeit ein Umsatzplus von 2,5 Prozent.

Optimismus, gewürzt mit einer Prise Vorsicht - das ist die Stimmung, die die Einzelhändler derzeit an den Tag legen. Neben einer wieder steigenden Arbeitslosigkeit sieht die Branche höhere Steuern und Sozialbeiträge als die größten Gefahren an, die den gerade in Schwung gekommenen Konsum wieder abwürgen könnten. Eine genaue Prognose für das kommende Jahr will der Verband deshalb auch noch nicht abgeben: «Wir werden versuchen, die Dynamik aus diesem Jahr in das nächste mitzunehmen», sagte Sanktjohanser. «Es wäre aber vermessen, wenn wir glauben, dass der Handel im kommenden Jahr wieder rund zwei Prozent Wachstum schaffen werde. Aber eine Eins vor dem Komma dürften wir schon wieder sehen.»

Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln geht davon aus, dass die Einkommen der Deutschen weiter steigen werden. Händler könnten daher genug abschöpfen: «Wir sind derzeit in einem guten Fahrwasser, und das wird sich im kommenden Jahr fortsetzen. Da ist durchaus Potenzial für den Einzelhandel da.» Auch müssten die Verbraucher keine Angst haben, dass die Inflation ihr schwer verdientes Geld wieder auffressen könnte. «Diesen Druck sehen wir nicht», betonte Hüther.

Viel versprechen sich die Händler vom Internet - der Online-Handel wird in diesem Jahr mit schätzungsweise zwölf Prozent das größte Wachstum aufweisen, darüber können sich Amazon und Co. freuen. Chancen hätten aber auch sogenannte Multi-Channel-Anbieter, die sowohl den traditionellen Einzelhandel als auch den Internethandel anbieten, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes. Auf diese Weise könnten sich Kunden die Waren vor Ort anschauen, aber auch online bestellen.

Zu schaffen macht Händlern vor allem die Sparneigung hierzulande. «Die Deutschen sind ein Sparvolk», sagte HDE-Präsident Sanktjohanser. 100 Milliarden Euro würden sie schätzungsweise allein in diesem Jahr auf die hohe Kante legen. «Das ist der Jackpot, den es für uns zu knacken gilt.»