Berlin (dpa) - Diesmal ist er aus Gerüsten, Scheinwerfern und Luftkissen: Fast schon traditionsgemäß sorgt der Weihnachtsbaum vor der Gedächtniskirche in Berlin für Diskussionen.

Während die Bäume in den Jahren zuvor entweder zu lang, zu mickrig oder zu unansehnlich ausfielen, hat am Wochenende ein aufblasbarer Weihnachtsbaum den Platz vor der Gedächtniskirche bezogen. Einzig die Leuchten im Inneren müssten noch verkabelt werden, bevor er zum ersten Mal strahlen kann, sagt der Licht-Designer Andreas Boehlke. Er hört die Bezeichnung «Plastikbaum» gar nicht gern.

Sein Lichtobjekt muss in diesem Jahr «den» Berliner Weihnachtsbaum schlechthin ersetzen. Anlass für das aufblasbare Exemplar sind Bauarbeiten an einem Turm des Wahrzeichens, vor dem traditionell ein Weihnachtsmarkt stattfindet. Ein Nadelbaum konnte aus Platzgründen nicht aufgebaut werden. Der Plastikkegel steht auf dem «Wasserklops», dem Brunnen auf dem Breitscheidplatz.

In den Vorjahren hatte es mit den Nadelbäumen einige Pannen gegeben. Eine Fichte aus Bayern war so unansehnlich, dass sie an Elefanten verfüttert wurde. Ein anderes Exemplar zerbrach schon beim Transport. Und jetzt ausgerechnet ein Plastikbaum?

Kritiker beklagen den Energieverbrauch des Lichtobjekts. Auch die Atmosphäre gehe durch den künstlichen Baum verloren. Die Veranstalter kennen diese Argumente und halten dagegen. «Er soll keine Alternative zu einem echten Weihnachtsbaum sein», erklärt Boehlke. Der Lichtkegel sei vielmehr ein Kunstobjekt.

Der aufblasbare Teil des Baumes hat einen Durchmesser von 15 Metern. «Vier Motoren pumpen jederzeit Luft hinein, um das Ding stabil zu halten», sagte Boehlke. Allein in den Luftkammern sind 216 Leuchten untergebracht. Derzeit ist der Plastikbaum allerdings nur ein weißer Kegel mit einem gelben Stern.

Erst in der Dunkelheit kommt das Lichtobjekt richtig zur Geltung. «Jede Leuchte kann man in unterschiedliche Farben tauchen und separat steuern», sagt der Licht-Designer. Der Kegel wird zudem zeitweise mit bewegten Bildern wie einer flackernden Kerze oder wehenden Ästen angestrahlt. «Wir wollen durch gut gemachte Bilder das Auge betrügen und zeigen: Das sieht aus wie ein echter Baum.»