Berlin (dpa) - Portugal blamiert den Weltmeister, Frankreich brilliert im Vergleich der WM-Versager und der Weltfußballer bezwingt den Erzrivalen: Zum Abschluss des Länderspiel-Jahres lieferten die Prestigeduelle die Höhepunkte.

Während viele Trainer wie Joachim Löw die Freundschaftsspiele zum Talente-Test nutzten, ging Welt- und Europameister Spanien in Bestbesetzung 0:4 beim Nachbarn Portugal unter. Dagegen feierte die bei der WM in Südafrika peinlich in der Vorrunde gescheiterte «Equipe Tricolore» mit 2:1 in England einen versöhnlichen Abschluss eines enttäuschenden Jahres. Und Lionel Messi sorgte mit einem sehenswerten Treffer höchstpersönlich für seinen ersten Sieg mit Argentiniens A-Elf über Rekordchampion Brasilien.

«War wirklich die 'Roja' oder waren Doppelgänger auf dem Platz?», fragte «Marca» ungläubig nach Spaniens höchster Pleite seit 1963 (2:6 gegen Schottland). «Es war ein Desaster, eine furchtbare Ohrfeige. Das schlechteste Spiel der 'selección' seit Jahren.» Keeper Iker Casillas kassierte erstmals vier Gegentore mit der Auswahl, die zwar alle EM-Ausscheidungs-, aber keines der drei Testspiele seit dem WM- Triumph gewann. «As» sprach von einem «iberischen Hornstoß». Und auch der sonst besonnene Vicente del Bosque war nach Portugals gelungener Revanche für das WM-Achtelfinal-Aus durch Tore von Carlos Martins (45.), Hélder Postiga (49./68) und Hugo Almeida (90.+3) erbost. «Schlechter kann man nicht spielen», fauchte der Coach aufgebracht.

In Erklärungsnot gerät immer mehr auch Fabio Capello. Frankreich spielte Englands «Three Lions» auf dem heiligen Wembley-Rasen an die Wand. «Eine katastrophale Vorstellung», schäumte die Boulevardzeitung «The Sun» und nahm England-Coach Capello als «Trottel mit der Mütze» ins Visier: «Wenn das die Zukunft ist - Himmel hilf». Das Ehrentor von Peter Crouch (86.) war zu wenig, Frankreich jubelte dank Karim Benzema (16.) und Mathieu Valbuena (55.) zurecht. «An so ein Spiel erinnert man sich noch viele Jahre. Wir machen Fortschritte, das ist wichtig», befand Keeper Hugo Lloris. Und auch Nationaltrainer Laurent Blanc erfreut sich weiter am Aufschwung seit seinem Amtsantritt: «Was mir am meisten gefallen hat, war unser Spiel», sagte er launig.

Obenauf war einmal mehr der derzeit weltbeste Kicker. «Es ist eine Erleichterung, gegen Brasilien zu gewinnen. Wir brauchten dieses Ergebnis», sagte Weltfußballer Messi nach seinem sehenswerten Treffer (90.+1), mit dem er seinen Premieren-Sieg mit Argentiniens A-Team über die «Seleção» sicherte. Entsprechend euphorisch fiel das Lob von Coach Sergio Batista aus: «Messi bedeutet alles für das Team.»

In den einzigen beiden Pflichtspielen des Tages gingen Finnland und Kroatien als Sieger vom Platz. In der EM-Qualifikation 2012 übernahmen die Kroaten nach dem 3:0 gegen Malta mit 10 Punkten die Tabellenführung in der Gruppe F vor Griechenland (8). In der Gruppe E konnte sich im Duell der Schlusslichter Finnland mit 8:0 gegen San Marino durchsetzen.

In weiteren Tests schnitten Deutschlands EM-Qualifikationsgegner meist schlecht ab. Nur Belgien siegte dank zweier Tore des erst 17- jährigen Romelu Lukaku (2./73.) 2:0 in Russland. Aserbaidschan mit Coach Berti Vogts kassierte ein 0:2 in Montenegro. Die Türkei verlor in den Niederlanden 0:1. Einmal mehr war Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (52.) verantwortlich für den Sieg des Vize-Weltmeisters, bei dem HSV-Profi Joris Mathijsen verletzt ausschied. Österreich unterlag Griechenland 1:2 - trotz des ersten Länderspiel-Treffers durch den Mainzer Christian Fuchs (67.).