Karlsruhe (dpa) - Der bisherige Notpräsident Ingo Wellenreuther ist erwartungsgemäß zum neuen Vereinschef des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC gewählt worden.

Der 50 Jahre alte Bundestagsabgeordnete der CDU erhielt bei der Mitgliederversammlung in der Karlsruher Schwarzwaldhalle 89,3 Prozent der 938 gültigen Stimmen. Wellenreuther nahm die Wahl an, da auch seine Vizepräsidentschafts-Kandidaten Günter Pilarsky und Georg Schattling die Zustimmung der Mitglieder bekamen. Im Gegensatz zu ihm hatten sie in dem Stadtrat Lüppo Cramer einen Gegenkandidaten.

«Der Wunsch nach Kontinuität wurde vielfach geäußert. Genau das ist der Grund, warum ich beschlossen habe, mich nicht vom Acker zu machen, sondern mich dem Verein zur Verfügung zu stellen», sagte Wellenreuther bei der fast sechsstündigen Veranstaltung unter großem Beifall. Er sprach von «gewaltigen Zielen, die wir erreichen müssen. Wir sind im Abstiegskampf. Wir müssen aber gleichzeitig den Verein konsolidieren». Die Zukunft des KSC sei die Jugend: «Wir müssen sie zu uns bekommen, müssen Stuttgart und Freiburg das Wasser abgraben.»

Der Jurist hatte zuvor klargestellt: «Ich stehe nur mit diesen beiden Personen zur Verfügung.» Die Kombination aus einem Unternehmer (Pilarsky), einem Wirtschaftsprüfer (Schattling) und ihm als Juristen sei «ein hervorragendes Angebot an die Mitglieder». Pilarsky und Schattling setzten sich deutlich gegen Cramer durch. Wellenreuthers Bedingung hatte bei der Mehrheit der Mitglieder Wirkung gezeigt. Außerdem konnte Cramer sie bei seiner Rede nicht überzeugen.

Diese Abstimmungen hatten sich lange verzögert, weil zuvor ein zweiter Wahlgang für die Besetzung der sieben Verwaltungsrats-Posten nötig geworden war. Nur sechs von elf Kandidaten erhielten im ersten Durchgang die Stimmenmehrheit der rund 1300 anwesenden Mitglieder. Der langjährige Verwaltungsrats-Vorsitzende Peter Mayer fiel beide Male durch und gehört damit nicht mehr dem Kontrollgremium an.

Wellenreuther hatte den finanziell wie sportlich stark angeschlagenen KSC am 24. September zunächst als Notpräsident übernommen. Seine Einsetzung war nötig geworden, weil der umstrittene Ex-Präsident Paul Metzger und sein Stellvertreter Arno Glesius bei der Mitgliederversammlung vier Tage zuvor zurückgetreten waren.

Nach den Turbulenzen der Ära Metzger verbinden viele Mitglieder mit Wellenreuther die Hoffnung auf Ruhe und Kontinuität im Verein. Zudem sprachen seine ersten Erfolge als Notpräsident für ihn. Das Nachlizenzierungs-Verfahren überstand der KSC ohne Punktabzug oder Geldstrafe. Dazu konnten nach seinen Angaben Kreditlinien erhöht und rund 300 000 Euro an zusätzlichen Werbeeinnahmen generiert werden.