Lissabon (dpa) - Nach der Rache im «Bruderduell» platzte sogar dem gutmütigen Opa der Kragen. «Schlechter kann man nicht spielen, es gibt keine Ausreden. Ich bin sehr erbost!», schimpfte Spaniens Fußball-Nationaltrainer Vicente del Bosque nach dem 0:4 seiner Weltmeister beim Erzrivalen Portugal.

Das Team um den glänzend aufgelegten Superstar Cristiano Ronaldo übte in Lissabon Vergeltung für die 0:1-Niederlage im WM- Achtelfinale - und verpasste dem ungeliebten Nachbarn gleich die schlimmste Klatsche in 47 Jahren. Mit vier Toren Unterschied hatte «La Roja» zuletzt 1963 daheim gegen Schottland (2:6) verloren.

Die Medien zu Hause gingen mit dem in Bestbesetzung angetretenen Team hart ins Gericht. «Iberischer Hornstoß. Spanien hat ohne Lust und Seele gespielt», klagte die Sportzeitung «As». Das Fachblatt «Marca» fragte sich, ob im Estadio da Luz etwa Doppelgänger von Iniesta, Xavi und Villa auf dem Platz waren. «Das war ein Desaster, eine furchtbare Ohrfeige. Das schlechteste Spiel der Selección seit Jahren», hieß es. Obwohl Spanien nach der WM drei EM- Qualifikationsspiele gegen schwache Gegner gewann, verkommt der Weltmeister zum Prügelknaben. Im letzten Freundschaftsspiel war man von Argentinien in Buenos Aires mit 1:4 vom Platz gefegt worden.

Im von einer schweren Finanzkrise erschütterten Portugal hängt der Fußball-Himmel unterdessen voller Geigen. «Olé, die Weltmeister sind wir!», tönte das Massenblatt «Correio da Manha». Der neue portugiesische Nationalcoach Paulo Bento räumte in der Kabine ein: «Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir ein solches Ergebnis vorstellen können». Es war bereits Bentos dritter Sieg im dritten Spiel, nachdem er den mit Schimpf und Schande davongejagten Carlos Queiroz auf der Bank der «Lusos» abgelöst hatte.

Vor 35 000 Zuschauern im nur halbvollen Stadion schossen Carlos Martins (45.), Helder Postiga (49., 63.) und der Bremer Hugo Almeida (90.+3) die Treffer zum höchsten Sieg der Portugiesen über Spanien überhaupt. Die Helden des Abends waren aber Ronaldo und Nani. Der Real-Madrid-Superstar humpelte nach Foul von Busquets schon ab der achten Minute, aber auch «auf einem Bein» wirbelte der 25-Jährige von Real Madrid in seinem 75. Länderspiel die gegnerische Abwehr um Piqué und Puyol durcheinander. Torlos blieb «CR7» nur, weil ihm ein sehenswerter Lüpfertor wegen Abseits von Nani aberkannt wurde und der Star nach der Pause lieber in der Kabine blieb. «Es ist nicht leicht, den Weltmeister so zu schlagen», sagte er.

Während der bald 60-jährige del Bosque geschockt mit dem Schicksal haderte («Ich kann die Spieler bei Freundschaftsspielen einfach nicht motivieren»), strahlte ein anderer Spanier auch nach der Blamage vor Freude. «Ich bin sehr zufrieden», erklärte der Generaldirektor der iberischen Kandidatur für die WM 2018, Miguel Angel López. Mit dem Spiel in Lissabon wurde auch für die Kandidatur geworben, Casillas und Ronaldo lasen Unterstützungserklärungen vor. Nach der Veröffentlichung des Evaluierungsberichts des Weltverbandes FIFA ist López optimistischer denn je: «Wir liegen vorne, aber das sage nicht ich, das sagen die (mit Spanien konkurrierenden) Engländer».