London (dpa) - Englands schmeichelhaftes 1:2 im Fußball-Klassiker täuschte noch über die wahren Kräfteverhältnisse hinweg. Eine verjüngte Fußball-Nationalmannschaft wurde im Londoner Wembley-Stadion von selbstbewussten und glänzend kombinierenden Franzosen förmlich an die Wand gespielt.

«Eine katastrophale Vorstellung», schäumte Großbritanniens auflagenstärkste Boulevardzeitung «The Sun» und nahm Englands Nationaltrainer Fabio Capello als «Trottel mit der Mütze» ins Visier: «Wenn das die Zukunft ist - Himmel hilf.»

Selbst die seriöse Presse ließ nach den Treffern von Karim Benzema (16. Minute) und Mathieu Valbuena (55.) für das vom neuen Nationaltrainer Laurent Blanc glänzend eingestellte Frankreich und dem späten Ehrentreffer von Peter Crouch (86.) kein gutes Haar an den Gastgebern. «England schaffte ein verzweifeltes Double am Mittwochabend: Vom Feld gefegt von Frankreich und vom Feld gebuht von den eigenen Fans», schrieb der «Daily Telegraph». Der «Guardian» pflichtete bei: «Capello steht vor einer großen Herausforderung.»

Für Frankreichs Schlussmann Hugo Lloris war die Partie dagegen ein Höhepunkt in seiner Laufbahn. «An so ein Spiel erinnert man sich noch viele Jahre. Wir machen Fortschritte, das ist wichtig», bilanzierte der Keeper zufrieden. Auch Blanc erfreut sich weiter an dem Aufschwung seit seinem Amtsantritt: «Was mir am meisten gefallen hat, war unser Spiel», sagte der Coach launig. Man habe vielleicht nur ein- oder zweimal die Chance, in Wembley zu spielen und «wenn man die Freude der Spieler in der Kabine sieht, werden sie sich daran ihre ganze Karriere lang erinnern».

Dagegen schossen sich die britischen Medien auf Capello ein. «Der Sechs-Millionen-Pfund-im-Jahr-Italiener schaute ahnungslos zu, während Frankreich durch Wembley marschierte», regte sich die «Sun» auf. Andere Blätter gingen mit Englands umgebauter Elf kaum gnädiger um. «Gegen eine französische Mannschaft, die Flair und Finesse verströmte, war es keine Freude, für England zu spielen - weder für die jüngeren noch die älteren Spieler», schrieb die «Daily Mail».

«Es war wichtig, dass einige der jungen Spieler in Wembley gegen eine richtig gute Mannschaft gespielt haben, wichtig für die Zukunft», verteidigte sich Capello, der das Match ursprünglich als Abschiedsspiel für David Beckham auserkoren hatte. Doch die 35 Jahre alte Fußball-Ikone - am Ende nicht berücksichtigt - will lieber weiter um einen Platz in der Mannschaft kämpfen.

«Ich bin optimistisch, was die Zukunft Englands angeht - wenn alle Spieler fit sind, haben wir eine wirklich gute Elf», sagte Capello, der unter anderem auf Stars wie John Terry, Frank Lampard und Wayne Rooney verzichten musste. «Immer hat es in der Vergangenheit geheißen: Setz junge Spieler ein. Nun habe ich es gemacht und wir reden nur über das Resultat», so der Italiener, der sich zudem rechtfertigen musste, Liverpool-Kapitän Steven Gerrard statt der mit seinem Club verabredeten Stunde 80 Minuten auf dem Platz gelassen zu haben. Dann verletzte sich der Mittelfeldstar auch noch.