Berlin/Hamburg (dpa) - Keine Bombe, sondern eine Attrappe sorgte für Terrorangst. Ein Sicherheitstest könnte es gewesen sein vor einem Flug von Namibia nach München. Innenminister de Maizière wusste davon nichts. Eine Spur führt in die USA.

Die jüngste Terrorwarnung heizt die Debatte um neue Sicherheitsgesetze an - die Innenminister wollen Telefon- und Internetdaten wieder auf Vorrat speichern. Zudem sorgen vermehrt herrenlose Gepäckstücke für größere Polizeieinsätze und Behinderungen etwa im Bahnverkehr.

In dem Koffer, der am Mittwoch auf dem Flughafen Windhuk entdeckt worden war, sei kein Sprengstoff gewesen, erläuterte de Maizière. Die Flugpassagiere seien nicht in Gefahr gewesen. Unklar blieb, wer den «Realtest-Koffer» einer US-Firma im afrikanischen Windhuk platzierte. Sowohl die deutschen als auch die namibischen Sicherheitsbehörden erklärten, dies sei ihnen nicht bekannt.

De Maizière hatte am Mittwoch vor einem Anschlag islamistischer Terroristen möglicherweise noch im November gewarnt. Nun mahnte er bei der Innenministerkonferenz in Hamburg erneut, nicht in Hysterie zu verfallen. «Die Verbreitung von Spekulationen hat selbst eine psychologische Wirkung.»

Er konnte nicht völlig ausschließen, dass die Bombenattrappe möglicherweise sogar ein von deutschen Sicherheitsbehörden initiierter Test war. «Ich halte das für sehr unwahrscheinlich», sagte der Minister. Aber auch das werde «selbstverständlich» Gegenstand der Ermittlungen sein.

Das Gepäckstück war in einer Flughafenhalle in Windhuk gefunden worden, in der zuvor das für den Air-Berlin-Flug nach München bestimmte Gepäck gelagert war. Offen blieb am Freitag zunächst, ob es «Realtests» mit Attrappen auch in Deutschland gibt. Die deutschen Behörden äußerten sich dazu nicht.

«Die Herkunft des Koffers ist Air Berlin nicht bekannt», sagte Sprecherin Sabine Zeller der Nachrichtenagentur dpa. Die Fluggesellschaft zeigte sich zudem erstaunt über die Umstände des Bomben-Attrappen-Tests. «Sicherheitstests stehen wir grundsätzlich sehr positiv gegenüber», sagte eine Sprecherin der «Frankfurter Rundschau» (Samstags-Ausgabe). «Aber ein Test in dieser Art ist sehr ungewöhnlich.»