Gällivare (dpa) - Start mit angezogener Handbremse, aber Vollgas auf der Zielgeraden: Die deutschen Skilangläufer gehen gelassen in das erste Weltcup-Wochenende am 20. und 21. November im schwedischen Gällivare.

Nach dem hervorragenden Abschneiden bei den Olympischen Winterspielen in den Loipen von Whistler gelten die Schützlinge von Bundestrainer Jochen Behle zwar auch in der neuen Saison zu den Top-Favoriten auf vordere Plätze, doch einen Hau-Ruck-Start soll es nicht geben.

«Wir machen uns keinen Stress. Unser Ziel ist die WM Ende Februar, Anfang März in Oslo. Deshalb müssen wir jetzt noch nicht voll da sein, wollen lieber in die Saison reinlaufen», sagt Behle vor dem ersten Startschuss, ergänzt aber sofort: «Natürlich brauchst du auch gute Weltcup-Resultate. Je eher die kommen, desto besser.»

Nach dem Karriereende der verdienstvollen Oberwiesenthaler René Sommerfeldt und Claudia Nystad setzen Behle und seine Disziplintrainer Cuno Schreyl (Männer) und Janko Neuber (Frauen) auf die Integration junger Athleten. «Da sieht es im männlichen Bereich richtig gut aus. In Gällivare und Kuusamo werden Tim Tscharnke und Philipp Marschall dabei sein. Aber auch Leute wie Thomas Bing und Hannes Dotzler werden ihre Einsatzchance bekommen», bemerkt Behle. Bei den Frauen haben Monique Siegel und Denise Herrmann (beide Oberwiesenthal) den Anschluss hergestellt. Sie alle sollen in Ruhe an die höheren Anforderungen herangeführt werden.

Das trifft auf die Etablierten nicht zu. Tobias Angerer (Vachendorf) zeigte bereits beim letzten Vorbereitungswettkampf im finnischen Muonio als Zweiter seine Klasse. Axel Teichmann (Bad Lobenstein) braucht bekanntermaßen ein paar Wettbewerbe, um sich «heiß» zu laufen. Der Frankenhainer Jens Filbrich ist ohnehin ein Schnellstarter. Die Damen um die zweimalige Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) werden auch in der neuen Saison eher kleinere Brötchen backen. «Hier konzentrieren wir uns vornehmlich auf die Team-Entscheidungen. Aber gute Einzelplatzierungen in den Weltcup-Rennen sollten hier und da auch möglich sein», betont Behle.

Verändert hat das deutsche Team in der Saisonvorbereitung nicht viel. «Da das Großereignis erst so spät ist, haben wir in Sachen Intensität vor dem Start nicht ganz so viel gemacht. Da werden wir im Laufe des Winters für unsere Top-Läufer noch den einen oder anderen Trainingsblock einschieben. Das heißt aber auch, dass wir unsere Ziele genau definiert haben: Es geht allein um die WM. Der Gesamtweltcup ist in dieser Saison für uns kein Thema», sagt Behle.

Nichtsdestotrotz sollen bei den Männern vordere Platzierungen keine Ausnahme sein. Die Tour de Ski mit vier Etappen auf deutschem Boden in Oberhof und Oberstdorf bietet dafür gute Möglichkeiten. Doch die Konkurrenz wird den deutschen Assen die Erfolge nicht kampflos überlassen. «Die Russen werden sehr stark sein, auch das zwar junge, aber schon sehr erfahrene schwedische Team wird aufhorchen lassen. Und die Norweger haben immer gute Leute, nicht nur Petter Northug», meint Behle, der wie immer auf saubere Wettkämpfe hofft. «Ob die Russen aus den Strafandrohungen durch die FIS wirklich etwas gelernt haben, muss man sehen. Wenn einer der am meisten mit Doping in Verbindung gebrachten Trainer zwar nicht mehr für den Verband, dafür aber als Privattrainer für Top-Akteure arbeitet, ist das noch kein Neuanfang», betont der deutsche Bundescoach.