Leipzig (dpa) - Jürgen Klinsmann freut sich auf seine ganze persönliche Reise in die Vergangenheit, Eduard Geyer wird nochmals zum Cheftrainer: Zumindest für zwei Tage rückt der arg gebeutelte Fußball-Osten wieder in den Fokus.

In Leipzig, wo der Deutsche Fußball-Bund im Jahr 1900 gegründet und wo vor 20 Jahren die Fußball-Wiedervereinigung besiegelt wurde, treffen sich am Samstag die einstigen Stars von hüben und drüben zum Jubiläums-Kick. «Keiner hat gewusst, was jetzt los ist», erinnert sich Klinsmann, der schon extra aus Kalifornien eingeflogen ist, an die bewegenden Wendewochen.

Leipzig hat auch für den ehemaligen Bundestrainer eine besondere Bedeutung - und das gleich in mehrfacher Hinsicht. «Das war eine richtiger Vorgeschmack auf die WM ein Jahr später», erinnerte sich Klinsmann an das begeisternde Spiel um Platz drei beim Confed-Cup 2005 gegen Mexiko (4:3). Nebenbei bekamen damals Klinsmann und die Spieler nochmals eine «Geschichtslektion», berichtete der Wahl- Amerikaner. Sportlich hätten die Leute gespürt, dass die Nationalmannschaft mit viel Mut und Risikobereitschaft agiert. «Auch die Leute in Leipzig sind bei der friedlichen Revolution ein Risiko eingegangen. Keiner wusste, was passiert danach.»

Im Ost-Fußball passierte neben jenem offiziellen Akt am 21. November 1990, als der Fußball-Verband der DDR (DFV) in den DFB aufging, im Eilzugtempo ganz viel. «Das Einbinden von Profis aus dem Osten Deutschlands in die gesamtdeutsche Nationalmannschaft ging schneller als in anderen Bereichen», verweist Franz Beckenbauer auf das Positive. Nach dem WM-Titel in Rom hatte der «Kaiser» als scheidender Teamchef noch jenen Spruch geprägt, nach dem Deutschland zusammen mit den ostdeutschen Stars um Matthias Sammer, Andreas Thom, Ulfr Kirsten und Thomas Doll nun über Jahre unschlagbar sei.

Doch nicht alles verlief glatt und konfliktfrei. «Das war alles eine unheimlich schwierige Situation. Die Spieler haben sich sofort neu orientiert», erinnert sich der letzte DDR-Nationaltrainer Geyer an die turbulente Wendezeit. Der brutale Absturz von Clubs wie Dynamo und Hansa, die 1991 als letzter Meister und Vizemeister des Ostens den Sprung in die Bundesliga geschafft hatte, habe «20 Jahre danach nichts mehr mit der Wiedervereinigung zu tun», betonte Sammer und bekam auch von Geyer Recht: «Die Vereine haben selbst zu wenig daraus gemacht und sind auf Traumtänzer hereingefallen.»

Sammer war der Protagonist der Wendezeit: Er vergeigte sechs Tage nach dem Mauerfall mit der DDR durch ein 0:3 in Österreich die WM-Qualifikation für Italien, während Klinsmann und Co. zur gleichen Zeit trotz der Aufregung um den Mauerfall Wales mit Acht und Krach besiegten. Der Ex-Dresdner Sammer gehörte im September 1990 zum übrig gebliebenen Häufchen von 14 Spielern, die in Brüssel gegen Belgien (2:0) das letzte Länderspiel für die DDR bestritten. Drei Monate später durfte der heutige DFB-Sportdirektor als erster «Ossie» gegen die Schweiz (4:0) wie auch Thom schon das Adler-Trikot tragen.

Sammers lädiertes Knie, das den inzwischen 43-Jährigen schon zum frühen Ende seiner aktiven Laufbahn gezwungen hatte, verhindert eine aktive Teilnahme des «roten Barons» am «Spiel der Legenden». Doch die Liste der einstigen Fußball-Prominenz aus Ost und West ist trotzdem lang. Für die ehemalige Auswahl der wieder von Geyer gecoachten DDR laufen neben Thom, Doll und Kirsten unter anderen auch Dariusz Wosz und Uwe Rösler auf. Ex-Bundestrainer Berti Vogts - Beckenbauer ist verhindert - kann neben Klinsmann auch die Weltmeister Lothar Matthäus, Andreas Brehme, Andreas Köpke, Stefan Reuter, Thomas Berthold, Guido Buchwald und Karl-Heinz Riedle aufbieten.