Köln (dpa) - Die amerikanische Rockband Les Savy Fav tourt aktuell mit ihrem neuen Album «Root For Ruin» durch Europa und lieferte am Mittwoch im Kölner Gebäude 9 eine der besten Live-Vorstellungen des laufenden Jahres ab.

Les Savy Fav wurden 1995 in New York gegründet, veröffentlichten 1997 ihr Debütalbum «3/5» und 15 Jahre später mit «Root For Ruin» ihren fünften regulären Longplayer. Stilistisch sind sie ein typisches amerikanisches Indie-Rock-Kind der 90er Jahre, das mit sperrigen Strophen und hochmelodischen Refrains jedes Wohnzimmer und erst recht jeden Konzertsaal zum Kochen bringt. Vergleiche zu den Pixies und At The Drive In können gezogen werden ohne die musikalische Eigenständigkeit der Band in Frage zu stellen.

Steht auf den Alben die Band und ihre Musik als Ganzes im Vordergrund, ist die Aufmerksamkeit im Konzertsaal nur noch auf eine Person und ihr Handeln gerichtet. Nämlich auf den zotteligen Sänger Tim Harrington, der mit seiner unkalkulierbaren Show alle Augen auf sich lenkt. Während die Band mit ihren zwei Gitarristen dem Bassisten und dem Drummer souverän und auf den Punkt die Songs performt, turnt Tim Harrington wie verrückt auf der Bühne, mitten im Publikum, beim Mischpult oder auch mal außerhalb des Konzertsaals herum.

Dabei hat er sein Mikrofon sicher im Griff, setzt das Publikum gezielt als Kabelträger ein und knutscht mit Zuschauern jeglichen Geschlechts rum. Stage Diving steht bei Tim Harrington ebenfalls hoch im Kurs, bei dem er gerne Mal einen allzu hilfsbereiten Zuschauer unter seinem massigen Körper begräbt.

Die erste und einzige Zugabe gibt er nach einer kurzen Pause («I need a beer break») in einem hautfarbenem Body, den er zielsicher mit leeren Flaschen füllt.

Was bleibt ist die Erinnerung an einen energiegeladenen Abend mit einer fantastischen Band und einem erfrischenden Sänger, die in einem gut gefüllten Gebäude 9 vor einem begeisterten Publikum alles gegeben haben. Dass es sich bei dieser Performance nicht um eine Eintagsfliege handelt, davon zeugen die vielen Livemitschnitte auf den Video-Portalen.

Der Ideenreichtum des Sängers erscheint bei seinen Auftritten grenzenlos oder um es mit einem Eintrag der Band auf Twitter zu beschreiben: «Last night Tim ate some guys ear plug (Letzte Nacht hat Tim von einigen Leuten die Ohrstöpsel gegessen).»