Berlin (dpa) - Die noch gesperrte Claudia Pechstein schnupperte Wettkampf-Atmosphäre, Ex-Box-Profi Sven Ottke drückte die Daumen: Vor den Augen der Berliner Sport-Prominenz hat Jenny Wolf mit dem zweiten Doppelpack der Saison ihren Status als schnellste Frau der Welt auf dem Eis untermauert.

Mit einer rasanten Fahrt nahm der «Deutschland-Express» der Damen beim Eisschnelllauf-Weltcup die Goldspur von Vancouver auf und düpierte die Konkurrenz. Geführt von «Lokomotive» Stephanie Beckert behauptete sich der Olympiasieger in der ersten Team-Verfolgung in 3:04,91 Minuten vor den Niederlanden und Norwegen. Aus dem erfolgreichen Team von Vancouver war nur noch die Erfurterin dabei. Isabell Ost aus Berlin und die 19-jährige Jennifer Bay aus Dresden komplettierten das neue Erfolgsgespann. «Das ist ja nicht zu glauben: Mein erster Start und dann gleich ein Sieg. Es kommt mir alles ganz unwirklich vor», meinte Team-Neuling Jennifer Bay fassungslos.

Zuvor hatte Jenny Wolf nach ihrem vierten Saisonsieg im vierten Rennen über 500 Meter ihre geheimsten Wünsche preisgegeben. «Ich habe schon mal ausgemalt, was für ein Gefühl es wäre, die gesamte Saison ungeschlagen zu bleiben», meinte die Olympia-Zweite. In 38,08 und 37,98 landete Jenny Wolf erstmals seit zwei Jahren wieder einen Doppelsieg auf ihrer Heimbahn und durchbrach zum zweiten Mal in dieser Saison die Schallmauer von 38 Sekunden.

«Die Siege vor meinem Publikum machen mich stolz, aber die Zeiten sind nicht sensationell. Dass die anderen da nicht mithalten können, überrascht mich doch etwas», meinte die Seriensiegerin, die nach einem Drittel der Saison mit Optimal-Punktzahl 400 bereits 100 Zähler Vorsprung im Gesamt-Klassement besitzt. Mit ihrem 54. Weltcupsieg rückte sie ganz nah an Anni Friesinger-Postma heran, die mit 59 Siegen derzeit Rang drei unter den Top-Damen im Weltcup-Zirkus hinter Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt/98) und Bonnie Blair (USA/69) einnimmt.

Was ihre Siege so außergewöhnlich macht, ist der Riesen-Vorsprung, mit dem sie erzielt wurden. 48 Hundertstel lagen zwischen ihr und der zweitplatzierten Niederländerin Margot Boer (38,46)- Eis- Welten. «Sie läuft irgendwie in einer Parallelwelt», meinte Teamchef Helge Jasch. Judith Hesse aus Erfurt kam als Sechste auf ihre bisher beste Weltcup-Platzierung und wurde am zweiten Tag Achte.

Für Stephanie Beckert erfüllte sich der Traum vom vierten Einzel- Weltcupsieg nicht. In 4:06,12 Minuten musste sie der überraschend schnellen Olympia-Zwölften Jilleane Rookard (USA/4:04,39) und Olympiasiegerin Martina Sablikova (4:05,83) den Vortritt lassen. «Der Rhythmus war nicht optimal. Aber mit dem Podestplatz bin ich hoch zufrieden», tröstete sie sich und strahlte dann nach dem Team-Erfolg.

Seine enormen Fortschritte bestätigte Sprinter Nico Ihle als Siebter mit seiner dritten Top-10-Platzierung über 500 Meter, auch wenn er im zweiten Rennen fast stürzte und auf Rang 19 zurückfiel. «Die Saison ist der Wahnsinn. Ich muss jetzt wohl meine Zielvereinbarungen verändern», meinte der deutsche Rekordhalter schmunzelnd. Nach dem siebten Platz über 1000 Meter in persönlicher Flachland-Bestzeit von 1:09,69 Minuten war der Chemnitzer am Schlusstag viel zufriedener. «Ich bin nach dem Stolperer mit Wut ins Rennen gegangen, aber dennoch locker geblieben», sagte der schnelle Sachse. Den Sieg holte sich zum dritten Mal in diesem Winter der Olympiasieger Shani Davis in 1:08,82. Es war der 43. Sieg des schwarzen US-Amerikaners.