Leipzig (dpa) - Zwei Tage wurde in Leipzig 20 Jahre deutsche Fußball-Einheit gefeiert. Doch noch gibt es bei allen Erfolgen viel Nachholbedarf - gerade in den «neuen Ländern», die unter Bundesliga-Abstinenz leiden. Und beim Promi-Spiel Ost gegen West war noch immer viel Feuer drin.

Nach der Niederlage beim «Spiel der Legenden» wurden die «kühlen Blonden» gleich tablettweise in die Kabine der 1990er Weltmeister getragen - das Thema Fußball-Einheit bleibt auch 20 Jahre danach bierernst. Noch bei der Players Night in einem Leipziger Nobelhotel konnten sich Lothar Matthäus und Co. über den Elfmeterpfiff von Lutz-Michael Fröhlich kaum beruhigen. «Zwei Mann standen hinter mir, einer wird mich schon getroffen haben. Ich spring' doch nicht mit Absicht gegen den Pfosten», beschrieb Ulf Kirsten die Szene, die im verspäteten Vereinigungsspiel den Sieg der ehemaligen DDR-Auswahl einleitete.

1:2 unterlagen die von Berti Vogts gecoachten Weltmeister, die vehement einen eigenen Elfmeter forderten, schließlich in einem ungewöhnlich verbissen geführten Nostalgie-Spiel vor 15 400 Zuschauern den Alt-Stars des Ostens um Kirsten, Thomas Doll und Andreas Thom. Karlheinz Riedle (32.) hatte das DFB-Team in Führung gebracht. Der Ex-Leipziger Olaf Marschall (58.) per Elfmeter und der ehemalige Dresdner Kirsten (68.) wendeten das Blatt.

«Wir wollten alle Spaß an der Sache haben. Doch ein bisschen Ehrgeiz steckt auch noch drin», kommentierte der extra aus den USA eingeflogene Jürgen Klinsmann den ersten Teil der Gala zum 20. Einheitstag. Der verärgerte Matthäus ließ sich nach dem Elfmeterpfiff auswechseln. Es wird - hoffentlich - das allerletzte Kräftemessen zwischen dem alten Westen und dem alten Osten gewesen sein.

Im zweiten Teil am Sonntag lieferte Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußball-Union UEFA, den besten Entspannungsbeitrag. Denn während im Leipziger Kongresszentrum nochmals über die gelungene Neuorientierung von 4600 Ostclubs, die großzügige DFB-Hilfe und natürlich über die großen Sorgen des Profifußballs in den «neuen Ländern» gesprochen wurde, sorgte Platini mit seiner Festrede auf Deutsch für die sympathische Note. «Manchmal trugen sie weiße Trikots, manchmal blaue», erinnerte sich der einstige Weltstar an seine Begegnungen auf dem Rasen mit den Teams aus West und Ost.

1985 hatte Platini («Meine Deutschlehrerin, Frau Wagner, hätte heute vor Freude geweint») in Leipzig mit der damaligen französischen Europameisterelf mit 0:2 verloren - für die DDR war es fünf Jahre vor dem Ende das vielleicht beste von insgesamt 293 Länderspielen. Das Vereinigungsspiel der deutschen Weltmeister gegen die letzte Auswahl des Ostens war schon im November 1990 angesetzt gewesen, als ebenfalls in Leipzig der Deutsche Fußball-Verband der DDR (DFV) aufgelöst wurde und in den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufging. Doch große Sicherheitsbedenken verhinderten damals das brisante Duell.

20 Jahre später würdigte Hans-Georg Moldenhauer, der als Nordost- Präsident wesentlich die Fußball-Einheit mit geprägt hat, nochmals die «unglaublichen Leistungen» beim Zusammenwachsen und verriet zudem ein bislang streng gehütetes Geheimnis. Mitten in der Wendezeit hatte er in Zürich Günter Netzer getroffen und machte diesem im Auto ein ganz spezielles Angebot: «Herr Netzer, werden Sie mein Generalsekretär.» Zu Verhandlungen kam es aufgrund der damaligen Finanzsituation des Ost-Verbandes nicht. Aber Günter Netzer als Ost-Funktionär - das hätte schon einen speziellen Charme gehabt.