Stockholm (dpa) - Schwedens Justiz lässt nun auch international nach dem Internet-Aktivisten Julian Assange vom Enthüllungsportal Wikileaks fahnden. Gegen den Australier wird in Schweden wegen des Verdachts der Vergewaltigung und sexueller Nötigung von zwei Frauen ermittelt.

Wikileaks hat Hunderttausende Geheimdokumente aus den USA zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak veröffentlicht und damit international für Aufsehen gesorgt. Assange hält sich nach Angaben seinen britischen Anwalts Mark Stephens in London auf. Er legte über den Stockholmer Anwalt Björn Hurtig Widerspruch gegen den an Donnerstag dort verhängten Haftbefehl ein.

Die zuständige Staatsanwältin Marianne Ny ließ Assange am Wochenende über Interpol zur Fahndung in allen angeschlossenen Länder ausschreiben. Der 1971 geborene Australier weist alle Vorwürfe zurück. Er hat seit Beginn der Ermittlungen im August mehrfach erklärt, er halte die Ermittlungen für Teil eines Komplotts des US-Verteidigungsministeriums.

Die Stockholmer Zeitung «Dagens Nyheter» berichtete am Sonntag, dass Wikileaks seit einem Monat keine schwedischen Server mehr zur Verbreitung von Dokumenten über das Internet nutzt. Der Vermieter der Räumlichkeiten, Mikael Viborg, sagte dem Blatt: »Sie sind verschwunden, ohne uns etwas zu sagen oder die Rechnung zu bezahlen.»

Assange hatte Schweden bis Sommer wegen der dort liberalen Presseregeln als wichtige Base für die Wikileaks-Aktivitäten bezeichnet. Noch kurz nach Beginn der Ermittlungen wegen möglicher Sexualdelikte hatte er hier eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung beantragt. Die Behörden lehnten ohne Begründung ab.

Erklärung der Staatsanwältin, in Englisch

Assange-Erklärung über Londoner Anwalt, in Englisch