Lübeck (dpa) - Lübeck im Ausnahmezustand: Am Sonntag saßen weite Teile der 210 000-Einwohner-Stadt buchstäblich auf dem Trockenen. Ein Leck in einer Wasserleitung im Erdreich unter dem Fluss Trave sorgte für den größten Versorgungsausfall seit dem Zweiten Weltkrieg.

Betroffen waren über 130 000 Haushalte, die seit den Morgenstunden ohne Wasser auskommen mussten. In vielen Stadtteilen kam zeitweise kaum noch Wasser aus den Hähnen, in anderen Bezirken merkten die Bewohner nur sehr wenig von dem Ausfall. Grund für den Zusammenbruch war ein Leck in einer oder mehreren Wasserleitungen im Erdreich unter der Trave.

Lübeck befand sich fast sieben Stunden lang im Ausnahmezustand: Stadtwerke, Feuerwehr und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) richteten Krisenstäbe ein und erarbeiteten Notfallpläne, Lübecker Bürger besorgten sich Trinkwasser an Tankstellen. Die Krankenhäuser bauten einen Notversorgung auf und führten zeitweise nur Notoperationen durch.

«Um 8.48 Uhr haben wir in unserer Netzwarte einen massiven Druckabfall registriert», berichtete die Geschäftsführerin der Stadtwerke, Anni Gregersen, auf einer Pressekonferenz am Abend. An mehreren Messstationen fiel der Druck innerhalb einer Minute von rund vier bar auf ein bar ab. «Das bedeutet einen Wasserverlust von mehreren tausend Kubikmetern pro Stunde», erklärte Gregersen.

Die Suche nach dem Leck gestaltete sich schwierig. «Weil nirgendwo Wasser austrat, kam eigentlich nur ein Schaden an einer der vier Dükerleitungen in Frage, die Wasser unter der Trave hindurch in die Stadtteile am anderen Ufer transportieren», schilderte Garbor Moharos vom Netzservice der Stadtwerke die aufwendige Fehlersuche. «Wir haben dann die infrage kommenden Leitungen geschlossen, nacheinander wieder geöffnet und den Wasserdruck im Netz beobachtet. So haben wir schließlich die Dükerleitung im Ortsteil Israelsdorf als Schadensstelle ausgemacht», sagte Moharos.

Die schadhafte, 163 Meter lange, aus den 1970er Jahren stammende Leitung wurde geschlossen, und damit war der Spuk vorbei. Der Druck im Leitungsnetz blieb konstant, alle 130 000 Lübecker Haushalte hatten wieder Wasser.

Bis dahin hatte zumindest in einigen Stadtteilen Ausnahmezustand geherrscht. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk bereiteten sich darauf vor, Krankenhäuser und Altenheime mit Trinkwasser aus Tankwagen zu versorgen. «Wir hatten auch Wasserwagen von den Hamburger Wasserwerken angefordert, die Stadt Lübeck hat ihre Notbrunnen in Betrieb genommen», berichtete Gregersen.