Seoul/Washington(dpa) - Nordkorea provoziert die Welt aufs Neue. Das kommunistische Land baut sein Atomprogramm offenbar rasant aus. Einem US-Experten zeigten die Machthaber eine neu errichtete Anlage zur Urananreicherung. Der Experte war sprachlos.

Das kommunistische Land habe heimlich und rasch eine neue Anlage zur Urananreicherung gebaut, schilderte der US-Atomwissenschaftler Siegfried Hecker in der «New York Times» vom Sonntag. Er habe «Hunderte und Aberhunderte» neu installierter Gaszentrifugen gesehen.

Die weitläufige Anlage war ihm war nach eigenen Angaben am 12. November von Vertretern des Regimes gezeigt worden. Uran kann je nach Grad der Anreicherung zivil oder für den Bau von Atombomben genutzt werden.

Die US-Regierung zeigte sich in ersten Reaktionen besorgt. Der Sender Fox News zitierte einen hochrangigen Beamten mit den Worten, sollten sich die Beobachtungen des Wissenschaftlers in ihren Details bestätigen, sei das ein neuer «provokativer Akt der Verweigerung» seitens Nordkoreas. US-Generalstabschef Mike Mullen sagte in einem Interview des Senders ABC, der Bericht des Wissenschaftlers bestätige, wie begründet die anhaltenden Besorgnisse der USA seien. Nordkorea werde von einem Diktator geführt, «der immer wieder versucht, die Region zu destabilisieren. Und er hat dies erneut getan.»

Hecker, der Professor an der Stanford-Universität ist, sagte, er sei angesichts des Entwicklungsstands der neuen Anlage sprachlos und verblüfft gewesen. Er habe viele frisch installierte Gaszentrifugen gesehen, die aus einem «ultramodernen Kontrollraum» gesteuert würden. Die Nordkoreaner hätten behauptet, dass bereits 2000 Zentrifugen installiert seien und laufen würden.

Seine Erkenntnisse habe er zunächst für sich behalten und erst einmal das Weiße Haus informiert, berichtete die «New York Times». Es sei ihm nicht erlaubt worden, Fotos zu machen. Auch habe er nicht die Angaben Nordkoreas überprüfen können, wonach bereits niedrig angereichertes Uran produziert werde. Er bezweifle auch die Ankündigung, das Nordkorea angereichertes Uran nur für den Betrieb eines geplanten Leichtwasserreaktors nutze. «Es gibt Gründe zu fragen, ob dies wahr ist», sagte Hecker.

Mit der Enthüllung verstärkt Pjöngjang nach Ansicht von Beobachtern im Atomstreit zugleich den Druck auf die USA. Der Sonderbeauftragte für die Nordkorea-Politik, Stephen Bosworth, hält sich zurzeit in Asien auf. Mit Regierungsvertretern in Südkorea, Japan und China soll er über die nächsten Schritte im Konflikt mit Nordkorea beraten.