Gelsenkirchen (dpa) - Drei Tore binnen weniger Minuten - Weltstar Raul ist nach schwieriger Eingewöhnungszeit endlich auf Schalke angekommen. Mit Ovationen feierten die Fans ihren neuen Liebling. Dagegen setzten die Bremer mit der Niederlage im Frust-Gipfel ihre Talfahrt fort.

Am Ende seiner königlichen Gala ging der Weltstar auf Trophäenjagd. Wie ein Jungprofi nach seinem ersten großen Erfolg wurde Raul bei Schiedsrichter Knut Kircher zum Bittsteller. «Es war mir eine Herzensangelegenheit, meiner Familie diesen Ball mitzubringen», sagte der Schalker Angreifer im Anschluss an das 4:0 (2:0) über Werder Bremen. Mit seligem Lächeln und dem Spielgerät unter dem Arm machte sich der stolze Spanier auf den Weg zurück in die Kabine. «Drei Tore in einem Bundesliga-Match, das ist für mich etwas ganz Besonderes.»

Die umfangreiche heimische Sammlung, die Raul im Anschluss an seine Karriere an eine lange und erfolgreiche Karriere erinnern soll, ist seit Samstag um ein Ausstellungsstück größer. Wie schon zuvor bei Real Madrid ist er nun auch bei seinem neuen Arbeitgeber zum Publikumsliebling aufgestiegen. Als der Neuzugang elf Minuten vor dem Ende der Partie ausgewechselt wurde, feierten ihn die Zuschauer mit Ovationen. Der Dreierpack von Raul (45+2./56./71.) verschaffte vor allem Felix Magath Genugtuung. Schließlich hatte der Fußball-Lehrer den Stürmer stets gegen aufkommende Kritik verteidigt: «Ich habe nie an ihm gezweifelt. Es war schon im Training zu erkennen, dass er nichts von seiner Torgefahr eingebüßt hat.»

Der unerwartet deutliche Erfolg im Frust-Gipfel der wankenden Champions-League-Teilnehmer sorgte für königsblaue Erleichterung. Nach sieben Punkten aus drei Spielen wächst der Glaube an einen dauerhaften Aufwärtstrend. Es passte ins Bild von einer allmählichen Genesung des Patienten, dass sich neben Raul ausgerechnet der lange Zeit kritisierte Manndecker Christoph Metzelder (22.) als Torschütze profilierte. «Es war kein Zufall, dass ihm das 1:0 gelang. Er hat sich in den vergangenen Wochen richtig in seine Aufgabe reingearbeitet», lobte Magath.

Dagegen boten die Bremer Profis nach dem Schlusspfiff ein Bild des Jammers. Abgeschreckt von den wenig schmeichelhaften Gesängen ihrer Anhänger machten sie auf halbem Weg Richtung Fantribüne kehrt und suchten schnell das Weite. Nach zuletzt vier sieglosen Spielen geht der Blick aller Beteiligten mehr nach unten als nach oben. «Ich kenne die Tabelle, keine Sorge», antwortete Geschäftsführer Klaus Allofs auf die Frage nach der drohenden Absturzgefahr.

Obwohl es in der mehr als zehnjährigen Zusammenarbeit von Klaus Allofs und Thomas Schaaf noch nie so schlecht um Werder stand, stärkte Allofs dem Coach demonstrativ den Rücken: «Ich bin überzeugt, dass es keinen Besseren gibt, der so akribisch arbeitet.» Zu möglichen Forderungen nach einer Entlassung des Trainers sagte er: «Dann würden wir auf Druck handeln und nicht aus Überzeugung, deshalb ist das kein Thema.»

Angesichts der bedenklichen Vorstellung vor allem in der Deckung berief Schaaf am Sonntag eine 57-minütige Krisensitzung ein. Immerhin 31 Gegentreffer und damit nach Mönchengladbach die zweitmeisten der Liga kassierte sein Team im bisherigen Saisonverlauf. Unmittelbar nach Spielschluss hatte der Coach ähnlich ratlos gewirkt wie seine Profis zuvor auf dem Rasen: «Jeder freut sich, gegen uns zu spielen. Wir träumen, wir stehen da und gucken zu, wehren uns nicht.»