Düsseldorf (dpa) - Kagawa, Son, Hasebe - Profis aus Asien erobern die Fußball-Bundesliga. Lange wurden Spieler aus Fernost unterschätzt, oft belächelt. Zu Unrecht, wie sich inzwischen herausstellt.

Noch vor Saisonbeginn hatten die Wenigsten die Verpflichtung des Japaners Shinji Kagawa so richtig ernst genommen. Was soll einer für nur 350 000 Euro Ablöse schon groß können? Dreizehn Spiele und sechs Treffer später ist die Liga schlauer. Die Offensivkraft von Borussia Dortmund ist schnell, trickreich und lässt sich auch von der Bundesliga-Härte nicht einschüchtern. Weltmeister und Japan-Kenner Guido Buchwald traut dem 21-Jährigen viel zu: «Wenn der so weitermacht, dann spielt er irgendwann auch für Real Madrid, Barcelona oder Chelsea.»

Auch am 20. November stand ein asiatisches Talent im Mittelpunkt: Beim 2:3 im Nordderby gegen Hannover 96 war Heung-Min Son der Lichtblick beim Hamburger SV. Nach seinem Mittelfußbruch noch vor Saisonbeginn ist der 18 Jahre alte Südkoreaner die positive Erscheinung der letzten Wochen. Die zwei Tore gegen Hannover schrauben sein Bundesliga-Trefferkonto auf drei - in vier Spielen. Mit links, mit rechts, mit dem Kopf: Son trifft.

Zusammen mit dem Chinesen Hao Junmin (FC Schalke 04) und den Japanern Makoto Hasebe (VfL Wolfsburg), Atsuto Uchida (Schalke) und Kisho Yano (SC Freiburg) stehen Son und Kagawa für einen neuen Trend - die Bundesliga entdeckt den asiatischen Spielermarkt. Ein Kontinent, der bislang für die Clubs als Absatzmarkt von Trikots und Werberechten interessanter war als für deren Trainer aus sportlicher Sicht, präsentiert sich durch Son, Kagawa und Kollegen in neuem Licht. «Sportlich hat Europa Asien viel zu lange ignoriert», meint Buchwald.   

Als Spieler und Trainer war der Schwabe bei den Urawa Red Diamonds in Japan tätig und kennt den asiatischen Markt wie kaum ein anderer im deutschen Fußball. «Gerade Japaner sind sehr fleißig und zielorientiert», sagt Buchwald. Im Gegensatz zu jungen Spielern aus Südamerika hätten sie deshalb viel weniger Anpassungsschwierigkeiten. «Wenn die nach Deutschland kommen, haben sie nur ein Ziel: sich durchsetzen und erfolgreich sein.»

Kagawa selbst ist von seiner Entwicklung nicht sonderlich überrascht: «Ich war zuversichtlich, dass ich mich hier durchsetzen kann.» Dass es auf Anhieb klappte, sei zwar etwas überraschend, aber schließlich habe er sich auch gründlich auf Dortmund und die Bundesliga vorbereitet. Für Buchwald ist Kagawa «der Bundesliga- Transfer des Jahres. Kein Zweifel». Das Fachmagazin «Kicker» bewertet den BVB-Profi unter den 109 Neuzugängen der Saison als größten «Volltreffer».    

Buchwald sieht seinen Glauben an den asiatischen Spielermarkt durch die sechs Bundesliga-Profis bestätigt und geht davon aus, dass noch mehr Spieler den Schritt nach Europa wagen. Die müssten sich dank Son und Kagawa dann auch bestimmt nicht mehr Kommentare anhören, wie die von Mario Basler in «Bild» zu Saisonbeginn. Über Kagawa schrieb Basler: «Der kleine Racker muss sich erst mal daran gewöhnen, dass Tauben im Ruhrpott keine Delikatessen sind. Und dass es in der Bundesliga immer schön auf die Stäbchen gibt.»