Palo Alto/Berlin (dpa) - Der neue deutsche Chef Léo Apotheker setzt erste Akzente beim weltgrößten PC-Hersteller Hewlett-Packard. Der frühere SAP-Manager will mehr Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben und den Stopp bei Gehaltserhöhungen und Bonuszahlungen aufheben.

Damit bricht Apotheker teilweise mit der rigiden Sparpolitik seines geschassten Vorgängers Mark Hurd. Rückenwind geben ihm gute Zahlen aus dem Ende Oktober abgelaufenen vierten Geschäftsquartal.

Hewlett-Packard (HP) steigerte im Schlussquartal den Umsatz um acht Prozent auf 33,3 Milliarden Dollar (24,4 Mrd Euro). Der Gewinn wuchs um 5,4 Prozent auf 2,54 Milliarden Dollar. Der Konzern habe unter anderem stark davon profitiert, dass die Unternehmen ihre lang aufgeschobenen Investitionen in neue Computer und Server nachholen, sagte Jan Zadak, Managing Director bei HP, zuständig für die Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika).

In Europa hätten vor allem die Energieindustrie, die verarbeitende Industrie sowie die Finanzbranche intensiv in neue IT-Systeme investiert. Erst am Montagabend hatte HP in Deutschland einen großen Geschäftsabschluss mit dem Energie-Konzern Eon bekanntgegeben. Die Eon Vertriebsgesellschaft lagert bis Frühjahr kommenden Jahres insgesamt 1400 IT-Arbeitsplätze aus. Zu den Partnern gehört neben HP auch die Telekom-Tochter T-Systems. «Dass wir einen Teil dieses Deals gewonnen haben, bestärkt uns noch in unseren positiven Aussichten», sagte HP-Deutschland-Geschäftsführer Volker Smid. Finanzielle Details des Geschäfts wurden nicht genannt.

«Die Industrie transformiert sich derzeit», sagte Smid. «Unsere Kunden schauen auf Innovationen in allen Bereichen.» Einer der wesentlichen Wachsstumstreiber sei das Cloud Computing. «Das ist das, was in der Energieversorgung schon vor hundert Jahren passiert ist.» Inzwischen gehe auch die IT-Industrie dazu über, Services nicht mehr für sich selbst zu erzeugen, sondern sie sich nach Bedarf liefern zu lassen.

Das Geschäft mit Komponenten für private Verbraucher steht dagegen leicht unter Druck. Hier sieht Zadak für das kommende Jahr in Europa keine wesentlichen Veränderungen. «Einen anhaltend negativen Einfluss auf den Sektor hat weiterhin die relativ hohe Arbeitslosenquote von rund 10 Prozent.» Das Geschäft werde sich zwar robust halten, eine baldige Verbesserung der Beschäftigungslage sei allerdings nicht in Sicht.

Der Umsatz im größten Bereich, dem Geschäft mit Computer-Systemen, legte im abgelaufenen Quartal weltweit um 4,2 Prozent auf knapp 10,3 Milliarden Dollar zu. Der operative Gewinn sprang um 23,5 Prozent auf 568 Millionen Dollar zu. In der Druckersparte verzeichnete HP einen Umsatz von knapp sieben Milliarden Dollar (plus 8,4 Prozent) bei einem operativen Gewinn von 1,22 Milliarden Dollar (plus 4,3 Prozent).