München (dpa) - Nach einem Jahr Fernseh-Abstinenz dreht Franz Xaver Kroetz wieder. Im ZDF-Thriller mit dem Arbeitstitel «Moor der Angst» spielt der 64-Jährige Willy Kamrad, den zwielichtigen Bewohner eines kleinen bayerischen Örtchens.

Hier trifft er auf Josefine (Maria Simon), eine junge Künstlerin, die auf der Flucht vor ihrem Freund (Felix Klare) überstürzt von München in eine alte verlassene Molkerei aufs Land gezogen ist. Als im Nachbardorf jedoch ein Mädchen verschwindet, fällt Josefines Verdacht auf den kauzigen Nachbarn.

Wenige Tage nach Beginn der Dreharbeiten biss Filmhund Sam Kroetz beim «Stöckchen holen» in den Daumen - und zwang ihn zu einer kurzen Pause. Nach drei Tagen jedoch stand der Schauspieler schon wieder vor der Kamera. «Ich spiele endlich mal was ganz anderes. Ich spiele einen ganz schön schrecklichen Mann», hatte er kurz vor dem Unfall in seinem Wohnmobil erzählt. Hier lernt Kroetz seine Texte, mit Hilfe eines Diktiergerätes. Kroetz nimmt damit seine Drehbuch-Texte auf, spielt sie ab und lernt dabei die Dialoge.

«Das Gerät spannt einen Muskel, der bei normalen Schauspielern einfach gespannt und trainiert ist», erzählte Kroetz. Nur einmal im Jahr tritt der als Klatschreporter «Baby Schimmerlos» in der Kult- Serie «Kir Royal» bekanntgewordene Schauspieler im Fernsehen auf - zuletzt im «Polizeiruf 110 - Die Lücke, die der Teufel lässt».

Sein Herz schlug jedoch jahrzehntelang nicht für das Schauspielern, sondern für das Schreiben von Theaterstücken. Anfang der 70er schrieb Kroetz im Akkord, monatlich gab es Uraufführungen seiner Werke. Dann, vor sechs Jahren, legte er den Stift aus der Hand. «Theaterstücke schreibe ich tatsächlich seit dieser Zeit keine mehr. Das ist irgendwie ausgelaufen, aber es ist so», sagte. Für den impulsiven Schriftsteller eine Katastrophe.

«Leben und Schreiben war eins irgendwie. Das Theater und die Aufführungen haben mich nicht so interessiert. Es war wirklich der Vorgang, diese Leidenschaft. Schreiben war wie eine Droge, Theaterstücke schreiben, Dialoge schreiben», sagte Kroetz rückblickend. Ohne seine Leidenschaft wäre er im Knast gelandet, oder hätte sich umgebracht. Mit den Jahren sei das Schreiben für ihn aber immer mühevoller und schwieriger geworden. «Und manchmal habe ich wirklich auf meinen Schreibtisch geschaut und gedacht: Das sind die letzten Zuckungen eines Wahnsinniggewordenen.»

Der heute 64-Jährige gehörte in den 70er Jahren zu den meistgespielten deutschen Dramatiker seiner Generation. Seine Werke wurden in mehr als 28 Sprachen übersetzt und in über 40 Ländern aufgeführt. Mit Stücken wie dem Einakter «Heimarbeit» oder «Wildwechsel», das auch verfilmt wurde, wurde er bekannt.