London (dpa) - Mitten in der schlimmsten Krise muss eine Notelf eine weitere Blamage verhindern: Mit sechs Amateuren und einem Juniorenspieler ist Werder Bremen zum Champions-League-Spiel nach London geflogen.

Schadensbegrenzung statt Werder-Wunder - so lautet die Devise für die Partie bei Tottenham Hotspur. «Die Voraussetzungen waren schon mal besser», kommentierte Werder-Clubchef Klaus Allofs vor dem Abflug: «Aber es gibt keinen Grund, das Spiel abzuschenken.»

Als wäre die Situation bei Werder nicht schon schlimm genug, fallen beim Spiel gegen den Tabellenführer der Gruppe A zehn Profis aus, darunter auch Kapitän Torsten Frings. «Gerade, wenn man das Personal sieht, ist das eine schwierige Aufgabe», sagte Trainer Thomas Schaaf und fügte an: «Der Reiz ist, dass in dieser Situation die meisten nicht allzu viel erwarten.»

Tatsächlich ist die Hoffnung der Fans mehr als gering. Um noch ins Achtelfinale zu kommen, müsste Werder gegen Tottenham und Mailand gewinnen - und gleichzeitig auf Hilfe offen. Selbst für das Minimalziel Europa League benötigen die Bremer im günstigsten Fall vier Punkte, also mindestens ein Unentschieden im Stadion an der White Hart Lane. Selbst ein Remis wäre derzeit, in der vielleicht schlimmsten Krise der Ära Schaaf und Allofs, als Erfolg zu werten.

Auch Schaaf macht sich nicht wirklich große Hoffnung. «Man muss ehrlich sein, es müsste etwas Außergewöhnliches passieren», sagte er am Abend in London über die Chancen weiterzukommen: «In der Situation, in der wir sind, kann man nicht davon ausgehen. Wir müssen sehen, was für uns übrig bleibt.»

Es klingt nicht unbedingt ermutigend, wenn Aaron Hunt sagt: «Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Schlechter kann man ja sowieso nicht mehr spielen.» Veränderungen im Bremer Spiel sind notwendig, personell gibt es sie zwangsweise. Zwei Spieler sollen ihr internationales Debüt feiern, die noch nicht einmal die Erfahrung einer Bundesliga-Minute mitbringen.

Bei Felix Kroos ist zumindest der Nachname berühmt, er ist der Bruder von Nationalspieler Toni Kroos. Nur Experten dürfte hingegen Dominik Schmidt bekannt sein. Er spielt für Werder II, Schlusslicht der 3. Liga, als Innenverteidiger und dürfte in London links auflaufen, wenn Petri Pasanen seine Grippe nicht unerwartet schnell auskuriert. Der Finne soll im Falle einer schnellen Besserung am Spieltag nachreisen. «Das muss man abwarten», sagte Schaaf.