München (dpa) - Gut acht Jahre nach der Milliarden-Pleite von Leo Kirch geht der Schadenersatzstreit mit der Deutschen Bank in eine neue Runde. Kirch will in dem Verfahren einmal mehr seine Ansprüche gegen das Geldhaus durchsetzen.

Am 22. Februar will das Landgericht München I entscheiden, ob und in welcher Höhe die Bank und ihr damaliger Chef Rolf Breuer für den Zusammenbruch des Medienimperiums finanziell haften muss. Danach dürfte der juristische Händel allerdings weitergehen. Am ersten Verhandlungstag am Dienstag ging dagegen alles ganz schnell: nach einer knappen halben Stunde vertagte Richterin Brigitte Pecher die Sitzung (AZ: 33 09550/07).

Der Medienunternehmer Kirch macht die Bank und Breuer für die spektakuläre Insolvenz verantwortlich und bemüht sich seit Jahren vor Gericht um Schadenersatz. Breuer hatte wenige Monate vor der Pleite der Kirch-Gruppe 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt. Der wiederum argumentiert, der Zusammenbruch seiner Firma sei durch diese Äußerung ausgelöst worden.

Der Bundesgerichtshof hatte 2006 festgestellt, dass Kirch grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz zustehen könnte - aber nur bei der Printbeteiligungs GmbH, in der Kirch seinen Anteil am Springer-Konzern gebündelt hatte. Ob und wie prüft nun das Gericht. Vor allem muss die Zivilkammer beurteilen, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Interview und der Pleite gibt. «Es sind schwierige Fragen der Kausalität zu beantworten», sagte Pecher. Weder Breuer noch Kirch waren zu der Verhandlung gekommen.

Die Deutsche Bank betont, es gebe keinen kausalen Zusammenhang zwischen Interview und Insolvenz. Die Kirch-Gruppe sei bereits vor dem Interview im Februar 2002 überschuldet gewesen. Breuer hatte sich in dem Interview unter anderem so dazu geäußert: «Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.» Beide Seiten treffen sich seit Jahren in zahllosen Verfahren vor Gericht.

BGH zum Urteil 2006