Berlin (dpa) - Sie hat einen berühmten Vater und eine berühmte Mutter - und sie ist ziemlich genervt, wenn man sie darauf anspricht. Denn Coco Sumner will es als Musikerin allein schaffen. Das Zeug dazu hat sie.

Sting war ziemlich aufgebracht, als seine Tochter Coco vor zwei Jahren mit dem leicht zerrütteten, aber auch hin und wieder leicht genialischen Pete Doherty abhing, der ziemlich große Stücke auf das junge Mädchen hielt. «Coco ist einer der Gründe, warum dieses Land gut ist», meinte der skandalträchtige Musiker euphorisiert.

Der damals 17-jährigen Gitarristin, Schlagzeugerin, Bassistin und Sängerin prophezeite er eine große Karriere und wollte dabei tatkräftig mithelfen. Schützenhilfe aber hat Eliot Paulina Sumner (20), wie Coco eigentlich heißt, nie gebraucht - und auch nie gewollt. Schon gar nicht von ihrem Vater Sting und ihrer Mutter Trudie Styler. Und so wird sie nicht müde, ihre Unabhängigkeit zu betonen: «Meine Karriere und die meines Vaters haben nichts miteinander zu tun», sagte Coco kürzlich im Interview mit der Tageszeitung «The Scotsman».

Einen unüberhörbaren musikalischen Berührungspunkt gibt es aber zwischen Vater und Tochter: «Seltsamerweise sprechen wir beide im selben Tonfall», sagte Coco dem «Independent». Und nicht nur das: Wenn sie mit ihrer eher dunklen, leicht rauchigen Stimme singt, meint man nicht selten Sting höchstpersönlich zu hören. «Self Machine» ist solch ein Song, der viel über die Familienbande aussagt.

Unter ihrem Bandnamen I Blame Coco hat die 20-Jährige jetzt in Großbritannien mit «The Constant» ihr hoch gelobtes Debütalbum veröffentlicht, das die Newcomerin am Montagabend im legendären Berliner Club Berghain mit ihrer Band live vorstellte. In Deutschland kommt «The Constant» allerdings erst im Februar 2011 auf den Markt.

«Berlin, you wanna dance?», rief Coco ins Rund des gut besuchten Clubs. Und Berlin hatte Lust zu tanzen. Es war ein beeindruckendes - wenn auch ein wenig kurzes - Feuerwerk, das I Blame Coco da mit ihrem temporeichen (Elektro-)Pop mit Reggae-Ausflügen abbrannten. Und bei der Single «Self Machine» klappte bereits das Mitsingen. zum Schwitzen hat es bei den Besuchern allerdings nicht gereicht

Wie ein gehetztes Tier in einem Käfig bewegte sich Coco manchmal in ihrem Stadtneurotiker-Look, der Blick hin und wieder manisch, die Energie unbändig. Ausstrahlung hat die 20-Jährige eine ganze Menge und ihre clever arrangierten Power-Songs haben Klasse. Keine Frage, Coco Sumner packt das - und irgendwann wird sie dann auch nicht mehr in einem Atemzug mit ihrem Vater genannt werden. Die Herzen der anwesenden Berliner hat sie an diesem Abend jedenfalls schon mal gewonnen.