Berlin (dpa) - Mit ihrem Retro-Soul beschwört Duffy den Klang der 60er Jahre. «Ein charmantes, geknautschtes Maunzen», so beschrieb ein Kritiker ihre Stimme. Schnell wurde die 26-jährige Waliserin in einem Atemzug mit Amy Winehouse genannt, als sie Anfang 2008 senkrecht durchstartete.

Der Liebesschmerz in der Nummer-eins-Single «Mercy» drang aus jedem Radio, das Debütalbum «Rockferry» stieg in kürzester Zeit in die deutschen Top Ten. Jetzt hat Duffy ihr zweites Album unter dem Namen «Endlessly» veröffentlicht.

«Ich mache die gleiche Musik wie zuvor. Die gleiche Welt, das gleiche Gefühl», sagt Duffy beim dpa-Interview in Berlin über ihre neue Platte. Auch im zweiten Album besingt sie vor allem die Beziehung zwischen Männern und Frauen. «I'm his lover, not his mother» (Ich bin seine Geliebte, nicht seine Mutter), sind die ersten Worte, die zwischen alten Synthesizer-Klängen und Schlagzeug hervordringen.

Duffy sang bisher, als hätte sie zu Hause den Keller voller Motown-Platten. Mit großer Geste und einer guten Portion Melodramatik vereint sie schwarzen Soul und 60er-Jahre-Schlager. Auf ihrer neuen Platte verlieren die kräftigen Retro-Farben gegen eine gespielte Unschuld. Das liege an der Zusammenarbeit mit Albert Hammond, sagt die Sängerin. «Er wollte unbedingt, dass sich die Musik jung und naiv und pur anhört.»

Die Autodidaktin hat ihre Stimme nie trainiert. «Ich sollte es wahrscheinlich tun. Einmal habe ich es probiert und es fühlte sich seltsam an. Es verfälscht das Freisein», sagt Duffy, die aus dem dünn besiedelten Gwynedd in Wales stammt. Vorbilder hat sie aber trotzdem: Dusty Springfield und Dionne Warwick.

Ihre ersten Lieder schrieb Duffy schon mit zehn Jahren. Als sie bei «Wawffactor» - einer Art walisischen Variante von «Deutschland sucht den Superstar» - auftrat, belegte sie den zweiten Platz. Die zielstrebige Musikerin ließ die Provinz hinter sich und wurde in London bei dem Label Rough Trade unter Vertrag genommen. Dann entdeckte sie der ehemalige Suede-Gitarrist Bernard Butler.

Duffy flog 2008 in den Pop-Himmel und verkaufte 6,5 Millionen Platten. Bei der Verleihung der renommierten Brit Awards räumte sie drei Preise ab und stellte die Band Coldplay in den Schatten. In den USA erhielt sie einen Grammy in der Kategorie «Bestes Gesangsalbum Pop» und wurde für zwei weitere nominiert.