Rust (dpa) - Zeichner und Autor Tomi Ungerer kann sich nicht über mangelnde Inspiration für seine Arbeit beklagen. «Ich wache morgens auf und die Ideen stehen Schlange. Sie warten darauf, umgesetzt zu werden», sagte Ungerer am Freitag im badischen Rust im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Auch nach einer mehr als 50 Jahre währenden Karriere spüre er einen unverändert großen Tatendrang. An diesem Sonntag (28. November) wird der in Straßburg lebende Künstler 79 Jahre alt.

«Künstler sind immer auf der Suche. Das gilt auch für mich», sagte Ungerer. Seine Botschaft: «Kultur soll Spaß machen. Und deshalb verstehe ich mich als Volks- und Unterhaltungskünstler.» Kunst müsse sich freimachen von elitärem Denken. Künstler müssten Respekt haben vor dem Betrachter. «Dankbarkeit ist Pflicht», sagte Ungerer.

Ans Aufhören denkt er nicht. «Mein Treibstoff ist die Unsicherheit», sagte Ungerer. Er wolle mit seiner Kunst andere und letztlich auch sich selbst von seiner Person und seinem Wirken überzeugen. «Meine Ängstlichkeit, meine Hoffnungslosigkeit und mein Gefühl von Minderwertigkeit, das ich spüre, treiben mich an. Das hat sich all die Jahre nicht geändert.» Nicht alle seine Ideen führten jedoch zum Erfolg. «Manchmal ist Einfall auch Durchfall», sagte Ungerer.

Im Europa-Park in Rust stellt Ungerer bis zum 9. Januar 80 seiner bekannten Tierzeichnungen aus. Künftig wolle er verstärkt große Collagen fertigen. «Meine Tochter hat mir eine Kamera geschenkt. Ich fotografiere mit ihr und nutze die Fotos dann als Vorlage für meine Collagen.» Ein weiterer Schwerpunkt seien - wie bisher auch - Kinderbücher. «Ich empfinde es als großes Glück, wenn wir noch etwas Kindheit in uns haben. Die Kindheit ist meine Inspiration.» Von Ausstellungsmachern wünsche er sich mehr Offenheit für den Nachwuchs. Schauen müssten kindgerecht gestaltet werden.

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