München/Berlin (dpa) - Die Bundesregierung macht Front gegen Vorschläge, den Euro-Rettungsfonds auf bis zu 1,5 Billionen Euro aufzustocken. «Ich halte von den Forderungen gar nichts», sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Der aktuelle Umfang von 750 Milliarden Euro sei ausreichend.

An den Finanzmärkten herrscht nach dem Hilfsantrag Irlands mit Blick auf die Euro-Sorgenkinder Portugal und Spanien weiter Unruhe. Die spanische Regierung versicherte jedoch, sie wolle keinen eigenen Antrag stellen. Die Bundesregierung betonte wiederum, es werde kein Druck auf Portugal ausgeübt, die Hilfen in Anspruch zu nehmen. Derweil verabschiedete das Parlament in Lissabon seinen umstrittenen Sparhaushalt für 2011.    

«Es wird derzeit unheimlich viel spekuliert, und da gewinnen auch ganz abseitige Äußerungen plötzlich eine Bedeutung und verunsichern die Märkte, und das schafft zusätzliche Unruhe», sagte Schäuble dem Sender. Im Bundestag bekräftigte der Minister, im Fall Irland könnten die konkreten Maßnahmen bis Anfang kommender Woche beschlossen werden. Erwartet wird, dass Irland 85 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhält. Aus EU-Kreisen verlautete, die Finanzminister wollten am Sonntag am Telefon darüber entscheiden.

Zudem werde mit Hochdruck an Vorschlägen für einen dauerhafte Krisenregelung nach Auslaufen des Rettungsschirms Mitte 2013 gearbeitet, betonte Schäuble. Diese könnten beim Treffen der EU- Staats- und Regierungschefs am 16. und 17. Dezember konkretisiert werden.

An den Märkten ist das Thema Irland inzwischen weitgehend abgehakt. Anlass für die anhaltende Nervosität dürfte nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Thomas Mayer, vor allem die Lage in Portugal sein. «Ich fürchte, momentan schauen die Märkte vor allem auf Portugal, das von den Fundamentaldaten her Griechenland ähnelt», sagte Mayer der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Freitag). Spanien stehe besser da.

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hält es für «absolut ausgeschlossen», dass Spanien auf den Rettungsfonds zurückgreifen muss. «Wir werden aus eigener Kraft aus der Krise kommen», betonte der sozialistische Politiker im Rundfunksender Rac1.

Ein Bericht, wonach Portugal zu einem Hilfsantrag gezwungen werden soll, wurde von mehreren Seiten dementiert. «Die Bundesregierung drängt niemanden unter den Rettungsschirm», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Laut «Financial Times Deutschland» (Freitag) setzen sich die Europäische Zentralbank (EZB) und eine Mehrheit der Euroländer dafür ein, dass auch Portugal um Hilfe aus dem Fonds bittet. Die EU-Kommission wies solche Spekulationen jedoch ebenfalls zurück.