Leverkusen (dpa) - Linda Bresonik war noch eine Stunde nach dem Schützenfest leicht verwirrt. «Haben wir jetzt 8 oder 9:0 gewonnen?», fragte die Fußball-Weltmeisterin nach der Lehrstunde, die das deutsche Team der zuvor hoch gehandelten Elf aus Nigeria in der Leverkusener BayArena erteilt hatte.

Immerhin hatten sich die Nigerianerinnen erst vor zwei Wochen im Finale gegen Äquatorial-Guinea zum achten Mal die Afrikameisterschaft gesichert und galten als ernsthafter Prüfstein. «Wir haben einige Videos von ihnen gesehen. Da waren sie echt gut», versicherte Bresonik, «deswegen war ich total überrascht, dass sie hier so schwach aufgetreten sind.»

Neben den beiden Afrika-Vertretern und Gastgeber Deutschland liegen 13 weitere Teams in den Lostrommeln, aus denen Ex- Nationaltorwart Oliver Kahn und das slowakische Model Adriana Karembeu am 29. November die 16 Teams den vier Gruppen für die WM-Endrunde 2011 zuordnen. Weltverbands-Präsident Joseph Blatter ist nicht unter den 600 Gästen im Saal «Harmonie» im Frankfurter Kongresszentrum. Der FIFA-Chef sagte seine Teilnahme aus Termingründen überraschend ab.

Wie zahlreiche Vertreter der Teilnahmeländer und der neun Spielorte ist selbstverständlich Bundestrainerin Silvia Neid dabei, wenn ihrer Mannschaft die Gruppen-Gegner für die Heim-WM vom 26. Juni bis 17. Juli zugelost werden. Der Titelverteidiger ist als Kopf der Gruppe A gesetzt und bestreitet das Eröffnungsspiel in Berlin. Das genaue Prozedere ist zwar noch ein Geheimnis, gleichwohl blickt Neid dem Abend gespannt entgegen. «Wunschgegner habe ich nicht. Wir nehmen es wie es kommt», sagte sie. «Aber ich freue mich, dass wir endlich wissen, gegen wen wir spielen. Dann können wir uns ganz gezielt und konzentriert auf die WM vorbereiten.»

Auch Bresonik sind die Gegner «eigentlich egal, nur gegen Nordkorea spiele ich nicht so gerne». Inka Grings, die die DFB-Auswahl bei der Auslosung gemeinsam mit Rekordnationalspielerin Birgit Prinz offiziell vertritt, freut sich besonders auf die Gala. «Das wird ein Riesenerlebnis und weckt Vorfreude auf die WM.»

Das 8:0 gegen Nigeria hat für Neid wenig Aussagekraft im Hinblick auf die WM. «Ich bin total zufrieden mit unserer Leistung. Wir haben die Tore schön herausgespielt und viel kompakter in Mittelfeld und Abwehr als zuletzt gegen Australien gestanden. Es war ein toller Abschluss des Jahres», befand die Trainerin nach dem siebten Sieg im neunten Länderspiel 2010. «Aber nachdem wir schnell mit 3:0 in Führung lagen, haben die Nigerianerinnen die Lust verloren. Ich bin sicher, dass sie bei der WM ganz anders auftreten.»

Die Duisburgerin Grings (2 Treffer), die schon nach 24 Minuten wegen Schmerzen in der linken Leiste vorsichtshalber vom Platz ging, sowie Prinz (2), Kerstin Garefrekes (3) und Alexandra Popp schossen den klaren Erfolg wie im Training heraus. Neid war der hohe Sieg gar nicht so recht, weil sich in der Öffentlichkeit der Eindruck verfestigen könnte, die WM werde ein Selbstläufer. «Sicher wollen wir unseren Titel erfolgreich verteidigen. Aber es gibt sicher acht Teams, die Weltmeister werden wollen.»