Stockholm (dpa) - Die Initiatoren der Internet-Tauschbörse The Pirate Bay haben ihre Berufungsverhandlung verloren. Ein Stockholmer Gericht hat wie die erste Instanz Haft- und Geldstrafen gegen die drei Schweden verhängt. Film- und Musikkonzerne sehen das als Sieg gegen die Raubkopierer.

Den Initiatoren der Internet-Tauschbörse war Beihilfe zur Verletzung des Urheberrechts vorgeworfen worden. Pirate Bay bietet Internetnutzern seit 2003 die Möglichkeit, von anderen Nutzern kostenlos Filme, Musikstücke, Spiele und Computersoftware aller Art herunterzuladen.

Das Oberlandesgericht senkte die Haftstrafen aus der ersten Instanz von je einem Jahr auf vier, acht bzw. zehn Monate. Der Schadensersatz an Musik- und Filmvertreiber wurde hingegen von insgesamt 32 auf 46 Millionen Kronen (3,3 auf 4,9 Mio Euro) angehoben. Die Verurteilen haben die Möglichkeit, das Urteil in einer dritten Instanz überprüfen zu lassen.

Zufrieden über das Urteil äußerten sich Vertreter der als Nebenkläger beteiligten Musik- und Filmkonzerne. «Es ist schön, dass das Gericht klargestellt hat: Wer diese Art von Aktivitäten betreibt, der landet im Gefängnis», sagte die Anwältin Moniquwe Wadsted als Vertreterin von US-Filmgesellschaften.

Die Tauschbörse «The Pirate Bay» mit weltweit mehr als 20 Millionen Nutzern schafft ausschließlich über «Torrents» die Möglichkeit zur Verbindung mit Servern, von denen gesuchte Filme, Musik und anderes heruntergeladen werden können. Sie stellt keine eigenen Inhalte zur Verfügung, sondern nur die Wegweiser für die Datenströme. Das Oberlandesgericht meinte zu dieser Funktion, sie habe die illegale Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte «erleichtert».

Enttäuscht über das Urteil äußerte sich der Europaabgeordnete der schwedischen Piratenpartei, Christian Engström: «Der reine Wahnsinn. Man kann dem Rechtssystem in Schweden nicht mehr trauen.» Die mit Pirate Bay zeitweilig verbundene Partei hatte bei den Europawahlen 2009 sensationell den Einzug ins EU-Parlament geschafft.

Der erste Prozess gegen die Pirate-Bay-Initiatoren Peter Sunde, Fredrik Neij und Gottfrid Svartholm Warg sowie den Financier Carl Lundström im Frühjahr 2009 war auch international stark beachtet worden. Das Berufungsverfahren gegen Warg wurde wegen Krankheit ausgekoppelt und soll nachgeholt werden. Es gilt als sicher, dass der Gesamt-Fall auch in dritter Instanz vor dem Obersten Gericht in Stockholm neu verhandelt wird. Der in Berlin lebende Sunde verschickte nach dem Urteil per Twitter eine Mitteilung in Schwedisch und Englisch: «Es wird eine Berufung vor dem Obersten Gericht geben, don't worry.»