Mühlen (dpa) - Matthias-Alexander Rath strahlte kurz wie ein kleines Kind bei der Bescherung. Mit roten Wangen und glücklichem Lachen nahm der 26-Jährige offiziell das teuerste Dressurpferd der Welt in Empfang.

Zwei Tage nach dem ersten Advent wurde der Student mit der reichen Familie im Hintergrund als neuer Reiter des Hengstes Totilas vorgestellt, der in der Szene als «Wunderpferd» gilt. «Das Gefühl ist einfach überwältigend», sagte Rath. «Ziel ist natürlich, mit diesem Pferd möglichst weit vorne zu reiten.»

Rath lachte aber nur kurz. Die meiste Zeit wirkte er eher angespannt und ernst. Er erlebte ein Blitzlichtgewitter, wie es für den Reitsport völlig unüblich ist. Neun Kamerateams und fast doppelt so viele Fotografen sorgten für einen Medienrummel in einer Reithalle in dem kleinen Örtchen Mühlen im Oldenburger Münsterland, in dessen Mittelpunkt der blonde Jüngling und der schwarze Hengst standen, der an das TV-Pferd «Black Beauty» erinnert. Um 12.17 Uhr am 30. November öffnete sich der Vorhang, und der 26-Jährige ritt unter den detaillierten Anweisungen seines Vaters und Trainers Klaus-Martin Rath ein kleines Show-Training.

«Ich gehe nicht in das erste Turnier und versuche, zwei Weltrekorde aufzustellen», sagte Rath zur sportlichen Zukunft. Aber er wolle da weitermachen, «wo Edward aufgehört hat». Drei Weltmeister-Titel gewann der Niederländer Edward Gal vor wenigen Wochen mit dem Hengst. Im Sattel des derzeit besten Dressurpferdes der Welt kann für Rath das Ziel nur Gold bei der EM im kommenden Jahr und bei den Olympischen Spielen 2012 sein.

Paul Schockemöhle hatte das Pferd nach der WM für rund zehn Millionen Euro nach Deutschland transferiert. Für den neuen Reiter ist Schockemöhle nun sogar entgegen seiner ursprünglichen Absicht eine Besitzergemeinschaft mit der Rath-Familie um die vermögende Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff eingegangen. «Wir teilen alles - jegliche Gelder, die das Pferd einnimmt», sagte die ehemalige Reiterin Linsenhoff.

Nach der kurzen Vorführung musste Schockemöhle zunächst schlucken. Europas größtem Pferdehändler stockte die Stimme, als er über das Wunderpferd Totilas und den neuen Reiter sprach. «Ich war überwältigt, wie dieses Paar schon nach zwanzig Minuten ein Paar war», sagte der sonst so abgezockte Unternehmer bei der pompösen Präsentation.

Es war keine große Überraschung, dass Rath der Totilas-Reiter ist. Vor drei Wochen hatte er den ersten Testritt gemacht. Niederländische Dressur-Fans hatten ihn bereits auf seiner Internetseite beleidigt und beschimpft. «Inzwischen sind die positiven Einträge in der Überzahl», berichtete Rath.