Washington/Peking (dpa) - Amerikas Kriege, Amerikas Außenpolitik und als nächstes die Wall Street: Die Internetplattform Wikileaks will bald Interna aus der krisengeschüttelten Finanzwelt enthüllen und hat dabei eine US-Großbank im Visier.

Wikileaks-Gründer Julian Assange kündigte im US-Magazin «Forbes» an, das Material berge «ungeheuerliche Übertretungen» und «unethische Praktiken». Es gehe «um zehntausende oder hunderttausende Dokumente, je nach Definition.»

Durch die Offenlegung des Materials eröffneten sich «wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten», sagte der Wikileaks-Gründer in dem Interview, das am Montag (Ortszeit) online veröffentlicht wurde. «Man kann es das Ökosystem der Korruption nennen.» Die Folge der Veröffentlichung dürften «vermutlich Untersuchungen und Reformen sein».

«Ich kann nur sagen, dass es klar um unethische Praktiken geht», sagte Assange. Er betonte jedoch, dass noch unklar sei, ob es sich hier um kriminelle Vorgänge handele. Man sei sehr vorsichtig damit, Leute als kriminell zu etikettieren, bis man sehr sicher sei.

Zu dem Wikileaks insgesamt vorliegenden Material sagte Assange: «Wir haben zu viel.» Konkrete Angaben etwa über die Datenmenge machte er nicht. Etwa die Hälfte davon betreffe Unternehmen. «Wir sind in einer Position, in der wir Rangfolgen einrichten müssen, und der Stoff mit der größten Wirkung wird zuerst veröffentlicht.»

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte am Montag «entschlossene Schritte» gegen die Hintermänner des Datenklaus und schärfere Sicherheitsvorkehrungen angekündigt. Präsidentensprecher Robert Gibbs schloss überdies nicht aus, dass die US-Regierung rechtlich gegen Wikileaks selber vorgeht. Es sei eine «Untertreibung», dass Präsident Barack Obama «nicht erfreut» über die Enthüllung ist.

Clinton zeigte sich überzeugt, dass die Enthüllungen die Beziehungen zu anderen Ländern nicht belasteten. Sie nannte die Offenlegung der Depeschen einen «Angriff auf die internationale Gemeinschaft». Sie gehe aber davon aus, dass die weltweiten Partnerschaften der USA «dieser Herausforderung standhalten».