Bonn (dpa) - Kalte Dusche für die deutschen Mobilfunker: Die Bundesnetzagentur streicht den Unternehmen durch eine drastische Senkung der Preise für die Netzdurchleitung eine sichere Einnahmenquelle.

Nach der vorläufigen Entscheidung der Behörde dürfen die vier Betreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und Telefónica O2 für die sogenannte Terminierung künftig nur noch zwischen 3,33 Cent je Minute und 3,7 Cent je Minute kassieren. Diese Gebühren stellen sich die Netzbetreiber gegenseitig für die Weiterleitung von Gesprächen in fremde Netze in Rechnung.

Damit bekommen die Mobilfunk-Provider nur noch rund die Hälfte der bisherigen Entgelte. Erwartet hatten sie eine Absenkung von rund 25 Prozent. Die Telekom sprach von einer «katastrophalen Entscheidung» und «einem verfehlten Signal an den deutschen Mobilfunkmarkt».

Der Präsident der Behörde Matthias Kurth begründete die Entscheidung mit der generellen Absenkung der Entgelte in den EU- Ländern. Die Vorschläge fügten sich gut in das europäische Niveau ein, betonte Kurth. Erstmals müssen die Preisvorschläge der Bundesnetzagentur noch durch ein nationales Genehmigungsverfahren und von der EU-Kommission abgesegnet werden. Eine endgültige Entscheidung wird bis zum Ende des ersten Quartals 2011 erwartet. Danach sollen die Durchleitungspreise rückwirkend vom 1. Dezember 2010 bis 30. November 2012 gültig sein.

Unverständnis löste die Entscheidung der obersten Aufsichtsbehörde über die Telekommärkte in Deutschland auch bei den Netzbetreibern E- Plus und O2 aus. Es sei unverständlich, dass die Bundesnetzagentur von einem Tag auf den anderen eine derart deutliche Absenkung der vornehme. Dies erschwere die Planung für sämtliche Marktteilnehmer, erklärte die Tochterfirma der niederländischen KPN in Düsseldorf. René Schuster, Chef der Telefónica O2 Germany, warf der Netzagentur vor, die Breitbandstrategie der Bundesregierung zu behindern, da dem Markt unnötig Investitionsmittel entzogen würden.

Die Bundesnetzagentur zeigte sich aber für die Argumente der Provider wenig empfänglich: Bei der Überprüfung der Gebühren habe die Bundesnetzagentur eine erhebliche Zunahme der Verkehrsmengen im Mobilfunk in den vergangen Jahren festgestellt. Diese erfreuliche Entwicklung mache deutlich, dass mobile Sprach- und Datendienste erheblich stärker als bisher genutzt würden. Dies habe bei weitgehend stabilen Kosten und effizienten Netzen zu «deutlich geringeren Minutenpreisen geführt», betonte Kurth.

Hintergrund der Entscheidung sind Vorgaben der EU-Kommission, die die Terminierungsentgelte drastisch zusammenstreichen will. Nach dem Willen der Brüsseler Behörde sollen sie europaweit zwischen 1,5 und 2,5 Cent liegen. Für die Mobilfunkanbieter ergäben sich hieraus Erlöseinbußen in einer Größenordnung von 26 Milliarden Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.