Berlin (dpa) - Vor dem G20-Gipfel der Top-Wirtschaftsmächte nächste Woche in Südkorea schlägt Deutschland gegenüber den USA deutlich schärfere Töne an. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte am Freitag massiv die Geld- und Finanzpolitik der Amerikaner.

Eine Absage erteilte Berlin erneut Bestrebungen der USA für konkrete Vorgaben zum Abbau von Handelsungleichgewichten.

Von einer Eskalation und einer «sprachlichen Aufrüstung» war in Berliner Regierungskreisen aber keine Rede. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde die Themen beim Treffen der G20-Staats- und Regierungschefs in Seoul aber ansprechen und mit den Partnern diskutieren. Mit Blick auf die Äußerungen Schäubles hieß es, die Kanzlerin denke bei diesen Themen «sicherlich ähnlich».

Schäuble hatte zuvor erklärt: «Bei allem Respekt, mein Eindruck ist, die Vereinigten Staaten von Amerika sind ratlos.» Die Entscheidung der US-Notenbank Fed für eine neue Geldspritze sei nicht nachvollziehbar. Die amerikanischen Probleme seien nicht Folge eines Mangels an Liquidität. «Jetzt zu sagen, jetzt machen wir noch einmal 600 Milliarden Dollar dazu, wird das Problem nicht lösen», sagte Schäuble bei einer Veranstaltung der BMW-Stiftung in Berlin.

Kritik übte Schäuble auch an der Wechselkurspolitik Washingtons. Europa werde sich dafür einsetzen, den Währungsstreit zwischen China und den USA zu entschärfen. Es bestehe aber der Eindruck, dass die USA so ähnlich handelten, wie sie es China vorhielten. Die USA werfen China vor, die Währung niedrig zu halten, um Exportvorteile zu erlangen.

Der Abbau globaler Ungleichgewichte und der Abwertungswettlauf bei Wechselkursen dürften auch den G20-Gipfel beherrschen. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang auch über das wachsende Risiko protektionistischer Maßnahmen im Handel und Kapitalverkehr. In Seoul soll ein G20-Aktionsplan verabschiedet werden, der die Staaten zu robustem, nachhaltigem und ausgewogenem Wachstum verpflichten soll.

Auf der Tagesordnung steht auch das Ziel, die Milliarden-Programme gegen die Krise mit zunehmendem selbsttragenden Wirtschaftsaufschwung allmählich zurückzufahren und die öffentlichen Haushalte zu sanieren. Die G20 hatten sich verpflichtet, bis 2013 die Neuverschuldung zu halbieren und ab 2016 den Schuldenstand zu stabilisieren. Deutschland beginnt ab 2011 mit dem Ausstieg aus den Anti-Krisenprogrammen («Exit-Strategie») und dem Defizit-Abbau.