Sao Paulo (dpa) - Reizwort Teamorder: Für Ferrari keine Frage, bei Red Bull offiziell kein Thema. Sebastian Vettel spielte das Problem in Sao Paulo sogar herunter: «Ich verstehe nicht, warum man so viel Wind darum macht.»

Der Red-Bull-Pilot spottete vor dem Großen Preis von Brasilien mit einem klaren Seitenhieb auf seinen Stallrivalen Mark Webber: «Wenn Hilfe gebraucht wird, setzt die FIA sicher genügend Krankenwagen rund um den Kurs ein.»

Ernst machte Vettel dann im Training zum vorletzten WM-Lauf der spannenden Formel-1-Saison. Der 23-Jährige fuhr völlig unbeeindruckt von dem ganzen Hick-Hack um Stallorder und seinem Riesenrückstand im Titelrennen souverän in beiden Einheiten die Bestzeit und schockte damit seine Widersacher. «Am Freitag geht es um die goldene Ananas, um nicht mehr. Wichtig ist, dass wir am Samstag in der Qualifikation top sind», relativierte Vettel seine Gala-Vorstellung. «Vorne stehen ist ein gutes Zeichen. Ich bin aber noch nicht hundertprozentig zufrieden.»

Vettel am nächsten kam dessen Teamkollege Webber als jeweils Zweiter. Der Australier wies nach zunächst gewaltigen 0,482 Sekunden Rückstand im zweiten Durchgang noch 0,104 Sekunden Abstand zu. WM-Spitzenreiter Fernando Alonso musste dagegen einen Rückschlag einstecken. Ein Motorschaden am Ferrari stoppte den Spanier in der ersten Session kurz vor Schluss. Deshalb musste sich der zweimalige Champion mit einem enttäuschenden 13. Platz bei 1,9 Sekunden Rückstand begnügen. Danach lag er als Dritter 0,360 Sekunden hinten.

So klar Vettel auf dem 4,309 Kilometer langen Berg-und-Tal-Kurs attackierte, so schwammig wich er beim Top-Thema Teamorder aus. «Das ist doch alles noch so weit weg», sagte er und verweigerte eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob er den 14 Punkte vor ihm liegenden Webber im WM-Kampf im Ernstfall unterstützen würde.

Sollte einer auf die Idee kommen, dem anderen entsprechend zu helfen, könnten ihm sogar rechtliche Sanktionen drohen. Zumindest behauptete das ein brasilianischer Staatsanwalt in einem Gespräch der Nachrichtenagentur AP. Würde beispielsweise Felipe Massa Alonso offensichtlich erneut überholen lassen oder irgendwie anders Einfluss auf das Resultat nehmen, könnte dies nach Angaben von Paulo Castilho zu einer Haftstrafe von bis zu sechs Jahren führen.

Zu den klaren Befürwortern einer Stallregie gehört Michael Schumacher. Das betonte der Rekordweltmeister mehrfach. «Das ist schließlich keine Kaffeefahrt», hatte er bereits nach dem «Hockenheim-Eklat» um Ferrari gesagt. Kein Wunder, er selbst hatte zu seinen Ferrari-Zeiten auch davon profitiert. Entschiedene Gegner der offiziell verbotenen Teamorder sind Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug und die Red-Bull-Verantwortlichen.