London (dpa) - Die britischen Großbanken kommen unterschiedlich gut aus der Krise. Während die HSBC glänzend verdient, schwächelt die verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) deutlich.

Nachdem die RBS im Krisenjahr 2008 rekordverdächtige Milliardenverluste eingefahren hatte und auch 2009 nicht aus der Verlustzone kam, schrieben die Schotten im dritten Quartal erneut rote Zahlen. Nach nur einem Quartal mit einem leichten Plus präsentierte das verstaatlichte Finanzinstitut ein Minus von 1,15 Milliarden Pfund (1,3 Mrd Euro).

Bei RBS drückten Verluste aus einer Neubewertung der eigenen Schulden in Höhe von 858 Millionen Pfund auf das Ergebnis. Aufgrund schwacher Investmentbanking-Geschäfte musste die Bank auch im laufenden Geschäft Rückschläge verkraften: inklusive der Sonderposten verbuchte RBS einen operativen Verlust von 132 Millionen Pfund.

Ihre mittelfristigen Ziele für das Jahr 2013 sieht RBS trotzdem nicht in Gefahr. Wegen des nach wie vor niedrigen Zinsniveaus und der neuen Vorgaben für die Banken könnte der Weg dahin aber steiniger werden. Mit einer derzeitigen Kernkapitalquote von 10,2 Prozent sieht sich die Bank gut gerüstet, um die geplanten strengeren Regeln für die Finanzbranche (Basel III) zu erfüllen. RBS gehört weltweit zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Die Bank stand wegen der Krise und eines aggressiven Expansionskurses kurz vor dem Aus. Sie musste mit mehreren Rettungspaketen gestützt werden.

Aber auch bei der HSBC, die in der Krise keine direkte Hilfe des Staates benötigte, lief es zuletzt nicht mehr ganz so gut. Das Gewinnplus habe sich im dritten Quartal im Vergleich zu den ersten sechs Monaten etwas abgeflacht, berichtete die größte europäische Bank am Freitag ohne Zahlen zu nennen. Der scheidende Bankchef Michael Geoghgan sagte, die Angst vor einem Rückschlag nach der Krise hemme in den westlichen Ländern die Aufwärtsbewegung.

Der Vorsteuergewinn der HSBC sei in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber deutlich gestiegen. Im dritten Quartal haben die Kosten für die Kreditvorsorge der Bank zufolge das niedrigste Niveau seit Anfang 2007 erreicht. Ein starkes Privatkundengeschäft und ein breitgefächertes Angebot weltweit stützten die positive Entwicklung.

Zuvor hatte die Lloyds Banking Group, die in der Krise vom Staat gerettet werden musste, am Dienstag mit der Ankündigung eines Milliardengewinns überrascht. Das vierte große britische Finanzinstitut, die Barclays Bank, präsentiert am kommenden Dienstag die Zahlen fürs dritte Quartal.