Hamburg (dpa) - Die Krankenakte beim Hamburger SV wird dicker, die Punktebilanz magerer und Armin Veh immer ratloser. «Normal ist das nimmer», stöhnt Veh über die anhaltende Verletztenmisere. Ruud van Nistelrooy und Collin Benjamin (beide Muskelfaserriss) sind die aktuellen Fälle.

Mladen Petric erlitt eine Bänderdehnung im Knöchel, soll aber im Schlüsselspiel am Samstag gegen 1899 Hoffenheim spielen können. Leistungsträger wie Frank Rost (Außenbandanriss), Eljero Elia (Fersenentzündung) und Dennis Aogo (Adduktorenverletzung) tauchen seit Wochen nicht mehr auf den Trainingsplätzen am Volkspark auf. Marcell Jansen erlitt einen Zehenbruch, zudem fehlen Dennis Diekmeier, Romeo Castelen und Tunay Torun.

«In der derzeitigen Situation brauche ich Galgenhumor», sagt Veh. «Wir tappen im Dunkeln, warum wir so viele Verletzte haben». Im täglichen Austausch mit der medizinischen Abteilung versucht der Trainer auszuloten, warum der Nordclub fast jeden Herbst so ein großes Pech hat. «An unserem Training kann es nicht liegen, dafür bin ich schon zu lange im Geschäft», betont der ehemalige Meistercoach des VfB Stuttgart. «Liegt es eventuell an unserem Rasen? Es ist ein Rätsel.»

«Letztes Jahr hatten wir schon drei Kreuzbandrisse», sagt Sportvorstand Bastian Reinhardt, der selbst nach mehrmaligen Fußbrüchen seine aktive Karriere beim HSV beenden musste. Für die Häufung von Muskelverletzungen gibt es scheinbar keine einfache Erklärung. Die meisten sind nicht in den täglichen Übungseinheiten passiert, sondern in Pflichtspielen. Schon Reinhardts Vorgänger Dietmar Beiersdorfer war alarmiert von der hohen Krankenrate und ließ die medizinische Abteilung durchchecken. Etwas gebracht hat es nicht.

Eine Ausrede für die Aufgaben in der Bundesliga soll die Verletztenmisere aber nicht sein: «Wir haben trotzdem eine starke Mannschaft, das darf nicht als Alibi durchgehen», meint Veh. «Der Kader ist groß genug, ich glaube an die Qualitäten jedes einzelnen.» In dieser Woche arbeitete er vor allem am zuletzt fehlerhaften Zweikampfverhalten des Bundesliga-Achten.

Trainerkollege Ralf Rangnick muss an der Elbe erneut auf Abwehrchef Josip Simunic verzichten. Der Kroate fällt weiterhin wegen eines Fersensporns aus und wird wieder von Marvin Compper ersetzt. Nach dem überzeugenden 4:0-Erfolg gegen Hannover 96 und dem Sprung auf Tabellenplatz drei plant Rangnick keine Veränderungen. «Wir wollen in Hamburg punkten, um uns weiter oben festzusetzen», sagt er.