Leverkusen (dpa) - Der Dusel-Sieg von Bayer 04 Leverkusen gegen Aris Saloniki (1:0) machte Rudi Völler wütend. «Mir fehlen fast die Worte. Das war nicht das, was wir uns vorstellen», schnaubte der Bayer-Sportchef nach der peinlichen Fußball-Darbietung in der Europa League.

«Wir müssen uns nicht um 20, 30 oder 50 Prozent steigern, sondern um 100 Prozent. Sonst sieht es schlecht aus gegen den 1. FC Kaiserslautern», forderte er vor der nächsten Bundesliga-Partie am 7. November.

Während die Leverkusener in der letzten Saison mit attraktiver, filigraner Fußball-Kunst die Liga begeisterten, erweist sich die Werkself momentan nur als Ensemble effizienter Malocher ohne Esprit. Der Erfolg - Tabellenvierter in der Bundesliga und mit einem Bein in der K.o.-Runde der Europa League - heiligt die Mittel, doch wie lange noch. «Wir fordern das Glück zu sehr heraus», warnte Völler.

Schließlich ist es schon das dritte Mal in dieser Spielzeit, dass Bayer eine Partie in oder nach der 90. Minute noch drehte: Gegen den dreimaligen griechischen Meister gelang dies dem Chilenen Arturo Vidal. Insgesamt konnten die Leverkusener in acht von 18 Pflichtspielen erst in der zweiten Halbzeit den Ausgleich oder Sieg erkämpfen. «Ich bin der Meinung, dass die Mannschaft bisher Großes geleistet hat. Deshalb stehe ich meiner Mannschaft so ein Spiel zu», nahm Bayer-Chefcoach Jupp Heynckes seine Schützlinge in Schutz und versprach: «Am Sonntag gegen Lautern präsentieren wir uns anders.»

Dies wird wohl so sein, denn niveauloser geht es kaum noch. «Meine Mannschaft hat keine Einstellung zum Spiel gefunden. Heute haben wir das schlechteste Spiel in der Saison gemacht, es hat nicht viel gestimmt», bekannte auch Heynckes und gab zu: «Es wäre nicht falsch gewesen, wenn Saloniki als Sieger vom Platz gegangen wäre.» Dank des überragenden Nationaltorwarts René Adler und des Unvermögens der Aris-Profis, beste Chancen zu verwerten, gingen aber die Gastgeber als glanzlose Gewinner vom Platz.

«In ein bis zwei Wochen fragt aber keiner mehr danach, wie wir gewonnen haben», meinte Bayer-Mittelfeldakteur Tranquillo Barnetta. «Wir haben größere Erwartungen an uns, die haben wir nicht erfüllt. Letztes Jahr hätten wir so ein Spiel aber verloren.» Ob diese Last- Minute-Siege ein Beleg für eine Weiterentwicklung zu einem wirklichen Topteam sind? «Von einem Sprung nach vorne kann man im Vergleich zum vergangenen Jahr nach so einem Spiel nicht reden, aber wir sind weiter als im Vorjahr», sagte Kapitän Simon Rolfes.

Als Tabellenführer der Gruppe B hat Bayer vor den beiden ausstehenden Spielen gegen Rosenborg Trondheim (3 Punkte) und Atlético Madrid (7) beste Aussichten auf das Weiterkommen. «Vielleicht ist eine Vorentscheidung in der Gruppe gefallen. Ich hatte erwartet, dass Madrid und wir uns durchsetzen», sagte Rolfes. «In Trondheim müssen wir das jetzt klar machen, dann haben wir zu Hause ein schönes Spiel um den Gruppensieg gegen Madrid.»