Berlin (dpa) - Renate Künast will im kommenden Jahr die erste Grünen-Regierungschefin von Berlin werden und Amtsinhaber Klaus Wowereit (SPD) verdrängen.

«Ich bin bereit, ich kandidiere für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin», sagte die Grünen- Fraktionschefin im Bundestag unter dem Jubel von 900 Parteifreunden und Gästen am Freitagabend in Berlin.

Dem Land steht ein beispielloser Wahlkampf bevor. Seit Monaten war erwartet worden, dass die 54-Jährige den Regierenden Bürgermeister Wowereit bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September 2011 herausfordert. «Die Zeit ist jetzt reif für einen Politikwechsel», sagte Künast am Freitagabend. In Umfragen liegen die Berliner Grünen mit bis zu 30 Prozent deutlich vor der SPD. Die Berliner SPD will aber kein Juniorpartner der Grünen werden.

Sie selbst habe ihr Herz an Berlin verloren - auch die Geschichte ihres persönlichen Aufbruchs vor mehr als 30 Jahren habe hier begonnen. «Jetzt - glaub' ich - ist es Zeit, wieder aufzubrechen.»

Künast zeichnete ein düsteres Bild von der Politik Wowereits. Die Stadt sei blockiert. «Armut und keinen Arbeitsplatz zu haben, ist für die Betroffenen das Gegenteil von sexy», sagte sie unter Anspielung auf Wowereits Berlin-Motto «Arm, aber sexy». «Heute ist wieder Zeit für einen Aufbruch, weil Berlin mehr verdient hat als lustloses Regieren», rief Künast den Zuhörern zu. «Berlin ist eine Verheißung, aber seine Regierung ist eine Zumutung.»

Hohe Arbeitslosigkeit und der Ausschluss ganzer Bevölkerungsteile vom öffentlichen Leben prägten das Bild. «Berlin muss jetzt endlich eine Stadt für alle werden», forderte sie. Zum grünen Leitbild «einer Stadt für alle» gehöre Gerechtigkeit und Freiheit gleichermaßen.

«Kein Kind bleibt auf der Strecke», versprach Künast. Jedes Kind solle bis Ende der kommenden Legislaturperiode mit altersgerechten Deutschkenntnissen in die Schule kommen. Bereits bis 2013 solle der Rechtsanspruch auf Krippenplätze umgesetzt werden. «Berliner Schulen sollen ein Ort des Lernens sein und nicht ein Ort des Frustes.»